• Maya von Dach

Ein kleines Stück des Paradieses

Aktualisiert: 27. Juli 2019

Unser letzter Tag, bevor «Leben B» in der Schweiz wieder beginnt. Ein ganzer Monat ist verstrichen, mittlerweile ist Manfreds Hundebiss gut verheilt.


In La Fortuna deckten wir uns, da die Schwellungen und Rötungen kamen und gingen, und wir nie wussten, was der nächste Tag bringen würde, mit neuem Medizinalmaterial ein. Natürlich konnten wir nicht genau das kaufen, was wir in der Schweiz erhalten haben, doch in der zweiten Apotheke erhielten wir Antibiotika im Offenverkauf, Salzwasserlösung – für Infusionen angeschrieben – und Heftpflaster, um die Gazen anzukleben. Einfach Notfallmaterial. Ab diesem Moment ging es den Wunden, noch mit dem restlichen Spülwasser und Michaels Notfallspray täglich behandelt, schnell besser und der Kauf war vergeblich, dennoch bereuten wir ihn nicht. Nach langem Suchen, sehr erstaunlich für eine Touristenstadt wie Fortuna, fanden wir auch einen Geldautomaten, der gnädigerweise genug Colones ausspuckte, um uns für die nächste Zeit abzusichern.


Fortuna und der Arenal waren kühl und unfreundlich, der Vulkan zeigte sich nicht. Als nächste Destination hatten wir uns Boca Tapada in der nördlichen Ebene ausgesucht, da es bei Vogelliebhabern zu den «Musts» gehört. Wir erwarteten etwas ähnliches wie Cano Negro oder Sierpe, damit lagen wir aber ganz falsch, es hat hier weder Sumpf noch Mangroven. Die grossen Lodges waren ausgebucht, so reservierten wir die maximalen drei Nächste, die uns booking.com im «Pedacito de Cielo», dem «Stückchen des Himmels», geben wollte. Direkt am Fluss und verstreut in der Gartenlandschaft liegen rund dreissig Häuschen, das Gebiet wird vom Rio San Carlos durchflossen, doch sind es hier vor allem die Landvögel, welche den Reiz ausmachen. Eine bunte Vielfalt wartet bereits am Futterbrett, in den Bäumen klettern unterschiedlichste Echsen und Hörnchen herum, wir können aus den bequemen Hänge- und Schaukelsesseln auf unserer Terrasse direkt in die Wipfel schauen, in denen es immer etwas zu sehen, gibt. Auf unseren Facebook-Post reagierte ein Fotografenkollege und schrieb, er habe in der "Laguna de Lagarto"-Lodge gearbeitet, wir sollen dort unbedingt seine Grüsse ausrichten. Beziehungen sind alles, sieht man einmal mehr: aus den Tipps von Andrea, den Leuten unserer eigenen Lodge und den hilfreichen Ideen einer amerikanischen Fotogruppe, die sogar ihren Guide und dessen Equipment mit uns teilte, entstand ein buntes, spannendes und lehrreiches Foto- und Erlebnisprogramm. Frösche, Fledermäuse und Kolibris wurden fotografiert und bestaunt, das technische Wissen (und die Träume bezüglich Fotoausrüstung) dabei erweitert.

Rotaugenfrosch

Fledermaus mit 5 Blitzen fotografiert

Kolibri

Die Bootsfahrt war entspannend, weil es nicht viel zu sehen gab, die Sonnenuntergangsstimmung aber wunderschön.


Die Dschungeltour mit Guide und Allrounder Ugo im Reserva, das auch zum Imperium unseres Gastgebers Marco gehört, war eindrücklich. Tapir- und Jaguarspuren im aufgeweichten, morastigen Boden, Taranteln, die aus ihren Löchern gekitzelt wurden, eifrige Blattschneid- und gefährliche Gewehrkugelameisen, die man besser nicht berührt, weil sie mit einem schmerzhaften Biss Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen oder einen Kreislaufkollaps auslösen können.

Bullet Ant/Gewehrkugelameise


Wir waren glücklich, dass wir von drei auf vier, schliesslich sogar auf fünf Nächte ausdehnen konnten, denn es war einfach so spannend, hier Vögel und winzige Tiere oder Pflanzen zu suchen und zu fotografieren. Alles war sehr familiär und die Rechnung am Ende extrem preisgünstig.


Von den heissen und feuchten, dampfenden Niederungen, in welchen neben sonnigem Wetter immer mal wieder ein heftiger Regenguss niederging, fuhren wir nun wieder ins Valle Central, in Richtung San Jose und Cartago.


Ananasplantage


Nach den ländlichen Gebieten mit endlosen spitzbuschigen Ananasplantagen erreichten wir die Autobahn durch den Braulio Carillo Nationalpark. Sie schlängelt sich durch die steilen Hügel und Berge, welche mit undurchdringlichem Urwald bewachsen sind. Diese Strasse bildet die Verbindung der Industriewelt im Valle Central und dem grossen Hafen in Limon und entsprechend jagen sich hier kleinere und grössere Lastwagen unterschiedlichster Motorisierung keuchend, stotternd oder eben drängelnd und hupend hinauf und hinunter. Die kleinen Autos dazwischen suchen sich rechts und links ihren Weg. Dazwischen gibt es die eine oder andere Baustelle oder die Strassenränder werden von grossen Arbeitergruppen vom schnell wachsenden Gestrüpp des Urwalds befreit.

Dass die Suche nach Unterkunft nicht überall so einfach ist, wurde uns am erloschenen Vulkan Irazu gezeigt. Obwohl touristisch erschlossen, fuhren wir fast ganz hinauf, ohne ein Hotel oder Cabinas zu finden. Dafür führte uns der Zufall schliesslich in «Grandpas Hotel». Die fünf Cabinas waren vergeben, so erhielten wir ein Zimmer, das eher wie eine Bedienstetenwohnung wirkte.

Gemütliches Wohnzimmer, abgegrenztes Schlafzimmer mit grossem Bett, die Matratze so bequem wir hier überall, vor allem aber mit einem Wintergarten, von welchem man das ganze Tal überblicken und in die gegenüberliegende Bergkette schauen konnte, die das nächste Tagesziel bedeutete. Dass das Restaurant direkt an das Zimmer grenzte, war kein Problem, da es bereits um 20.00 Uhr schloss. Hier tranken wir auch den allerschönsten Kaffee, den uns der Kellner innert Sekunden in ein Kunstwerk verzauberte.



Der Empfehlung des Guides der Amerikaner, Jeffrey Munoz, folgend, der sich nicht nur als Biologe sondern auch als erstklassiger Fotograf herausstellte, reservierten wir ein Zimmer in der Paraiso Quetzal Lodge. Hier war die Quatzal-Tour angesagt.

Das Hotel – Häuschen mit Panoramafenster in einem wunderschönen, vogelreichen Garten mit Kolibristellen – hat Verträge mit 22 Bauern, die melden, wenn die Quetzales auf ihrem Land anzutreffen sind. Die langschwänzigen, schillernden «Göttervögel der Maya» mögen die Früchte der wilden Avocadobäume, sie folgen diesen den Reifezeiten entsprechend auf unterschiedliche Höhen und können dank der Beobachtung immer relativ einfach besucht werden. Eine gute Sache für alle, denn dies sichert dem Hotel die Attraktivität und den Bauern ein Einkommen. Wir steigen kaum aus dem Auto aus, da sehen wir das Quetzalmännchen schon fliegen. Es ist Paarungs- und Nestzeit, die Konkurrenz ist auch im Land und in den zwei Stunden der Frühmorgentour sehen wir drei Männchen und zwei Weibchen. Sie sitzen oft ganz ruhig auf einem Ast, dazwischen aber ist Flügelschlagen und Betrieb angesagt. Zum Schluss posiert eines der Männchen noch einmal herrlich.


Der Service hier ist ziemlich lausig dafür das Essen gut, die Abrechnung ein einziges Chaos und die Freundlichkeit entspricht gar nicht dem, was wir sonst von Ticos und Ticas gewöhnt sind. Wir wundern uns ausserdem, dass hier, wo niemals wirklich stabile warme Temperaturen herrschen, sondern es immer sehr feucht und kühl ist, keine richtigen Heizungen installiert sind. Costa Rica ist schliesslich ein sehr fortschrittliches und modernes Land.

Ausblick vom Paraiso Quetzal


Eine letzte Ausfahrt in den Hügeln des Tapati Nationalparks und wir verabschieden uns von den kühlen Temperaturen. Eine Stunde später ist das Thermometer von 20 auf 35 Grad hinaufgeklettert, wir kämpfen uns durch die Strassen von San Jose und Alajuela und suchen eine Unterkunft in ruhiger Umgebung. Langsam sind wir an den Grenzen unserer Geduld, da führt uns der Zufall zu einem Tor bei einem B+B «Siempreverde». Auf unser Hupen wird das Tor geöffnet und wir werden in ein Haus mit sieben Zimmern geführt. Knarrendes Holz, Luft und Helligkeit machen es gemütlich, vor allem aber gefällt uns, dass wir hier allein sind und einen riesigen Garten sowie die ganze Kaffeeplantage durchwandern können.

Kaffeplantage


Das Essen geniessen wir im Mirador del Valle, wo wir dem Namen entsprechend über das städtische Gebiet und die Schwärze der oberhalb liegenden Plantagen und Wälder haben. Der Flughafen erinnert uns an die morgige Rückkehr.


Ein ganzer Monat – so lange Ferien dürfen viele gar nie geniessen. Wir haben ein Stückchen von diesem nicht sehr grossen Land nicht nur gesehen, nein, auch erlebt und erfahren. Viel zu kurz war die Zeit, denn es gäbe noch so viel zu sehen in diesem Paradies, von welchem je rund ein Viertel unter nationalem oder privatem Naturschutz steht und das in Sachen Ökologie ganz vorne steht. Diesmal hat es nicht an die Karibikküste gereicht, nicht nach Curu, es fehlen uns einige Vögel und Tiere, die wir gern gesehen hätten.


Dies bestätigt uns in unserem Bushbaby-Projekt, denn wir wollen nicht die Welt in vierzig Tagen entdecken, sondern sie erkunden, geniessen und festhalten! Also – ein Leben für die Reise. Auf meinem Countdown steht noch 534 Tage bis zum Ende der Arbeit, die Zeit zu Hause wird spannend, das ist das Einzige, was uns am Rückflug Spass bereitet.

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