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  • AutorenbildMaya von Dach

Frühling in Zululand


Meer, Busch, Dünenwald und Bushbaby

Im Herzen von Zululand

Man könnte es genauso gut umdrehen: Zululand im Herzen. Der nördlichste Teil der Provinz KwaZulu Natal ist uns durch alle unsere Freiwilligenarbeits-Aufenthalte ans Herz gewachsen, vertraut und einfach unendlich attraktiv. Die Vielfalt an verschiedenen Ökosystemen ist unglaublich und damit auch die Anzahl von Tierarten – die in den vielen privaten und staatlichen Parks gut aufgehoben sind. Jedenfalls relativ. Denn insbesondere durch die Armut in den ländlichen Gegenden ist die Wilderei ein grosses Problem, nicht nur für die eigentlich für den Kochtopf gewünschten Tiere, sondern vor allem auch für die zufällig erwischten ... Aber dazu später.




Der Frühling kommt!

In den tausend Hügeln Zululands ist es in der Nacht noch kühl, weshalb wir unseren ursprünglichen Plan, nach Ithala zu fahren, auf den Kopf stellen - dort zu frieren, wenn es am Meer schon herrlich warm ist, haben wir keine Lust. Die ersten Vögel kommen aus der nördlichen Winterdestination zurück, etwa unsere Mauersegler. Andere werden farbig oder bekommen lange Schwanzfedern oder Kopfschmuck. Die Vogelstimmen werden immer intensiver.




Unser neuer Topfavorit: Umlalalzi

Der hübsche kleine Park überzeugt uns ganz besonders, denn er bietet alles, was man sich wünschen kann. Zwischen Meer und einer Flussmündung liegend, aber auch sehr nahe am Städtchen, sind wir auf einem Zeltplatz wie auf einer ruhigen Insel mitten im Dschungel. Auf Fusswegen können wir den Dünenwald erkunden, durch Mangroven schlendern, entlang des Flusses Vögel suchen, im Raphia-Palmenwald die Palmengeier suchen und und und… Wir bleiben fast eine Woche hier und geniessen es einfach. Ausserdem gehen wir an zwei Tagen auf Vogelexkursionen in der Nähe und es ist einfach unglaublich, was wir alles finden und mit welchem Engagement uns Junior Gabela alles zu zeigen versucht, was hier kreucht und fleucht. Nun erleben wir die Reise wirklich so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Manchmal kochen, manchmal auswärts essen, im Bushbaby und draussen zu Hause, Nächte mit dem fernen Brausen des Meeres und den verschiedenen Tier- und zunehmend auch Vogelstimmen. Die Bushbabys hören wir nicht nur, sie statten uns sogar auf dem Dach von Bushbaby einen Besuch ab und schauen neugierig hinein. Welch ein Erlebnis!



Zwischen den Flüssen iMfolozi und Hluhluwe

Wenn schon Bushbaby dann auch mal aus der Nähe. Wir quartieren uns zwei Nächte auf dem Campingplatz der Bushbaby Lodge nahe der Stadt Hluhluwe ein. Die Fütterung der Raubtiere, sprich Bushbabys, wirft uns nicht aus den Socken, dennoch ist es einfach herzig, diese Viechlein so nah zu sehen – und sie werden nicht gehätschelt sondern sind nach wie vor wild und holen sich einfach ihr Bananenstück. Eine Ausfahrt führt uns ins ländliche Gebiet entlang des Hluhluwe und durch dessen Schwemmland, sowie viele Zuludörfchen beziehungsweise die typische Streusiedlung im ganzen Umland des Flusses. Spannend, zu sehen, wie die Leute leben. Die Feuchtgebiete sind voller Vögel – obwohl die meisten Watvögel noch in ihren Wintergebieten weilen – und bieten für uns einige Höhepunkte tierischer Art. Die Landschaft allein ist schon ein Erlebnis. Wir bleiben noch eine weiter Nacht auf Rekognoszierungstour, diesmal im Bonamanzi Private Game Reserve, das uns sehr gefällt und in dem wir mehr Zeit verbringen möchten.




Bei den Wildhunden in Somkhanda

Vor rund acht Jahren war Somkhanda für rund drei Wochen ein wenig Heimat für mich, als ich im WildlifeACT Projekt arbeitete. Davor waren wir schon einmal gemeinsam hier, um zu schauen, wie es hier aussieht. Nämlich wild, wilder am wildesten. Der Busch ist dichter als irgendwo sonst, die Strasse hierhin miserabel, die Hügel steil, die Tiere versteckt. Diesmal stehen wir auf einem Zeltplatz unter einem rieseigen Baum mitten im Busch. Die Fahrt die wir machen ist nicht sehr begeisternd, die Tiere sind wohl da – Big 5 – aber wir sehen praktisch nichts. So sind wir glücklich, mit den Leuten von WildlifeACT in Kontakt zu kommen, die die Wildhunde unter Kontrolle halten. Oder dies versuchen. Denn seit Corona ist die Zahl der Freiwilligen eingebrochen und hier arbeiten nur noch die Forscher selbst. Die Wilderei mit Schlingen, um Antilopen für den Kochtopf zu jagen, ist massiv und oft sind Wildhunde unschuldige Opfer. Da diese Tierart aber vom Aussterben bedroht ist, fehlt jedes tote Tier und es wird alles daran gesetzt, sie zu schützen. Ein Pack Wildhunde zu kontrollieren ist wie einen Sack Flöhe zu hüten, denn sie brechen auch aus den besten Zäunen aus, was fast zum Todesurteil wird. Das Rudel von Somkhanda ist im Moment in der Boma, einem Gehege und wird dort kontrolliert, bis es in einen anderen Park verlegt wird. Die Geschichte ist zu kompliziert um sie hier zusammenzufassen, die kurze Version: wir halten einen Tag lang Wache, dass keiner der vier Hunde ausbricht, der fünfte wird noch mit dem Peilsender aufgespürt. Der Aufwand und das Engagement der Leute sind gleichermassen überraschend und beeindruckend. Wir haben Spass, es ist spannend und wir haben das gute Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten.



Immer etwas zu tun

Langweilig wird uns nie, im Gegenteil! Die Natur beobachten geht auch im Sitzen und unsere Computer sind oft in Betrieb. Manfred studiert seine Fotos: Gesucht werden Vögel, die er auf früheren Reisen fotografiert, aber nicht identifiziert hat (oder dies gar noch nicht konnte). Seine eindrückliche Liste von wunderschön fotografierten Federtierchen umfasst mittlerweile 485 Arten, Tendenz zunehmend - denn viele kommen erst jetzt wieder aus dem Winterquartier. Ich selber habe nach wie vor Spass am Übersetzen, dem Spiel mit Worten und Sätzen, der hoffentlich Lesefluss und -vergnügen mit sich bringt und den spannenden Afrika-Romanen Tony Parks gerecht zu werden vermag. Bald sind vier Bücher online erhältlich und gehen nach letzten Fehlerkorrekturen in den Druck. Sie handeln teilweise genau hier in Zululand und thematisieren die grossen Themen hier, etwa Gewalt und den Krieg um die Wildtiere - wie wir ihn in den Projekten mit WildlifeACT miterlebten (wenn auch nicht gar so drastisch, aber dies nur, weil wir nicht an der Front arbeiteten). Erfolge im Kampf gegen die Wilderei bringen übrigens vor allem Hundestaffeln, die ihr Leben tatsächlich riskieren, um die Wilderer aufzuspüren und zu verfolgen.




Bonamanzi und das grosse Glück

Zurück am Hluhluwe durchkämmen wir den Park und staunen ob der vielen unterschiedlichen Lebensräume, die der Park bietet: von Feuchtgebiet bis Trockensavanne alles. Zusammen mit dem riesigen Platz und dem privaten Sanitärhäuschen sowie einem Restaurant mit feinem Essen ein Verwöhnprogramm für uns. Bei der Erkundung entlang der Parkgrenze steigen wir auf einen der vielen Türme, die wohl den Anti-Wilderer-Patrouillen für den Ausblick über die Grenze dienen. Der Ausblick ist wunderschön, was "Hans (Maya) -GuckindieLuft" vom Wesentlichen ablenkt: dass der Treppenaufstieg durch eine offene Luke im Boden - erfolgt und der Abstieg ebenso. Ein Schritt in die Leere, der Sturz folgt sofort, glücklicherweise nur auf eine der Stufen. Dennoch schlägt und staucht es an ein paar Orten und einige blaue Flecken zeugen davon. Glücklicherweise nicht mehr, denn da stand eine ganze Mannschaft von Schutzengeln Wache! Sonst sind wir glücklicherweise fit und gesund, Manfreds Rücken spielt prima mit, wenn auch ein Auge einer Renovation bedarf und die Hüfte etwas zwickt, im Grossen und Ganzen geht’s uns tiptop und durch das viele Wandern kommen wir auch einigermassen zu genug Bewegung.




In Zululands unterwegs

Südafrika und KwaZulu Natal haben eine der höchsten Zahlen an Verkehrstoten. Kein Wunder. Die Hauptstrassen und Autobahnen sind meist sehr gut, weisen aber auch zahlreiche Schlaglöcher auf. Auf den zweispurigen Strassen gibt es eine gelbe Seitenlinie, dort weicht der Langsamere aus, so dass überholt werden kann. Man bedankt sich mit Warnblinker und quittiert mit Blinken. Es sind viele Lastwagen, Kohle- und Minenlaster sowie kleine Minibusse unterwegs, die unterschiedliche, bis keine Fahrregeln und -stile haben. Besonders letztere fahren katastrophal gefährlich – und bei einem Unfall gibt es viele Opfer. Auf den Strassen bewegen sich hier Menschen, Kühe, Ziegen und Esel, manchmal auch Hühner. Die Tiere scheinen genau zu wissen, wie sie sich zu verhalten haben, dennoch blockieren sie ab und zu den Verkehr, weil sie auf der Fahrbahn schlafen.



Einmal mehr: St. Lucia

Wir können und wollen es nicht lassen, unser Städtchen zieht uns immer wieder magisch an. Allerdings haben wir es noch nie so touristisch und lebhaft erlebt wie nun, da in Europa noch Sommerferien sind. Italiener, Franzosen, Spanier beleben Strassen und Restaurants – nur auf dem Campingplatz herrscht ziemliche Ruhe, die wir sehr, sehr geniessen. Ein Ausflug führt uns in den immer wieder grossartigen iSimangaliso-Park und wir überlegen uns, in Cape Vidal zu übernachten. Der Zeltplatz ist voll von Fischern und Einheimischen – es ist Wochenende – und wir fliehen zurück nach St. Lucia. Mittlerweile ist der Frühling richtig eingekehrt, die Schwalben und Milane sind zurück, die Webervögel beginnen, ihre Kugelnester aus Gras und Schilf zu bauen und die Temperaturen steigen, so dass wir am Abend draussen sitzen können und nach Mückenspray stinken. So ist es jedenfalls hier auf Meereshöhe und im Norden an der Küste des indischen Ozeans. Nach einer Nacht in Umlalazi werden wir in ein neues Abenteuer in einer anderen Gegend starten – wir freuen uns darauf und berichten gern wieder von diesen Eindrücken. Natürlich in der Hoffnung, dass ihr weiterhin mit uns mitreist. Danke für euer Interesse!






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