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  • AutorenbildMaya von Dach

Südafrikas Metropolen und Heimaturlaub



Nach so langer Zeit im wilden Busch sind Bushbaby und wir glücklich, dass wir zehn Tage ein Haus und zwei Hunde in einem der Vororte Johannesburgs hüten dürfen. Geniene und Keith leben in Pomona/Kempton Park, im Norden des Stadtzentrums, auf einem Plot, einem grossen Grundstück, auf dem sieben Parteien, davon drei Mehrgenerationen-Familien, in Einfamilienhäusern leben. 'Unser Haus' ist ein Holzbungalow auf Stelzen, eine grosse offene Küche mit Wohnraum, ein Schlafzimmer mit Büro und eine Veranda. Das Grundstück ist wie ein kleines Dorf, eine Grasfläche hinter einem Sicherheitstor, auf der die Häuser verteilt liegen – und dazu ein riesiges Tiergehege mit zwei Eseln, je ein paar Ziegen und Schafen sowie Enten und Hühnern. Fast alle haben hier Hunde, die ab und zu als Rudel herumrennen. Was für ein beschaulicher Flecken und dies in zehn Minuten Distanz zum Flughafen.



Was wir nicht wussten und nicht berücksichtigt haben, ist, dass Johannesburg im Highveld, dem Hochland, liegt, auf rund 1700m und die Kaltfront uns begleiten würde. Der viele Regen hat alles durchweicht, so dass die Hunde mit ihren Pfoten den Schmutz in ‘ihr Haus’ bringen. Manfred teilt das Bett mit ihnen, während ich im Bushbaby schlafe. Da wir auch einen Fiat 500 nutzen dürfen, macht Bushbaby Urlaub und wir können viel erledigen. Ausserdem kriegt unser fahrbares Daheim eine Tiefenreinigung, bei der jede Ecke poliert wird.

Am Samstag sind wir zum Braai eingeladen. Majoors Kinder hatten Geburtstag und zu jedem Fest (und nicht nur dazu) gehört hier ein Grill. Man bringt das Fleisch, der Gastgeber sorgt für alles andere. Es ist sehr spannend und für uns das beinahe erste Mal, so mitten unter Einheimischen zu sein.



In einer zweiten Phase ziehen wir näher zum Stadtzentrum – wir sind sicher bereits über 20-mal in Johannesburg gelandet, aber übernachtet haben wir noch nie hier. In der ANKA Lodge, die einer sehr multikulturellen, europastämmigen Familie gehört, finden wir ein herrliches Zuhause. In einem sicheren gehobenen Quartier, Atholl, geniessen wir ein kleines aber grosszügiges, günstiges Appartement mit einem grossen grünen Garten, von dem aus wir zu Fuss in die lebendige Fussgängerzone von Melrose Arch gelangen. Karoly und Katherine verwöhnen uns, unter anderem mit ungarischem Schnaps und Selbstgemachtem.

Melrose bietet richtiges Stadtleben mit Einkaufszentren und – insbesondere, weil wir am Wochenende hier sind – einer äusserst gut besuchten Fressmeile. Restaurant reiht sich an Restaurant und alle sind gut besetzt. Wir schlemmen uns durch, mit asiatischem, spanischem und portugiesischem Essen. Die Preise sind so klein wie die Portionen gross, ein Beispiel ist eine Schüssel griechischer Salat, ein Spiess mit 300 Gramm Rindsfilet, Reis, Pommes, Bier, Wein und Wasser für insgesamt rund 30 Franken. Da macht selber einkaufen und kochen keinen Sinn.



Ab Melrose fährt auch der «rote Bus», einer der Hauptgründe, weshalb wir hier sind. Endlich einmal diese Millionen-Stadt, die praktisch mit der Hauptstadt Pretoria zusammengewachsen ist, erkunden, das wollten wir schon lange und mit diesem Vehikel ist es sicher und informativ. Die reichste Stadt Afrikas entstand wegen des Goldes, ist erst 130 Jahre alt und dauernd im Umbruch. Stadtentwicklung in Reinkultur. Da die natürlich vorkommenden Wasserreserven nirgendshin reichten, wird das Lebenselixier hunderte Kilometer weit von Kwa Zulu Natal hierhin gepumpt. Natürlich ist die Geschichte der Stadt von der Apartheid geprägt, während welcher bis 1994 die Rassen systematisch getrennt und Schwarze und Farbige von der weissen Oberschicht unterdrückt wurden. Unter der Regierung Nelson Mandelas, des ersten schwarzen Präsidenten, entwickelte sich das Land sehr gut und unter der Leitung von Bischof Desmond Tutu arbeitete man am neuen Zusammenleben ohne Rassenschranken, der Demokratie und an der Versöhnung mit all dem Geschehenen. Am 29. Mai sind erneut Wahlen und alle hoffen, dass es eine Wende zum Besseren gibt, denn Korruption und Diebstahl von Staatseigentum kommen auf den höchsten Ebenen vor und diese Mittel fehlen für Infrastruktur, so dass beispielsweise der Strom regelmässig abgeschaltet wird, teilweise über Stunden. Ob sich nach den Wahlen etwas ändern wird, ist allerdings sehr fraglich.



Der Bus bringt uns durch die ehemaligen Goldminen, die Villenquartiere der weissen und heute ebenso schwarzen Oberschicht, an Wolkenkratzern, alten Häusern, Märkten mit traditionellen Heilmitteln, Statuen und Museen sowie an einem ehemaligen Kraftwerk vorbei, das für Bungy Jumping genutzt wird und auf eine Zusatzführung durch SOWETO. In der ehemaligen Schwarzen- und Farbigenstadt South Western Townships, stehen neben den typischen von der Regierung erstellten «Matchbox-Häusern» auch die Häuser von Mandela und Tutu, wird ein eigenes Bier gebraut und herrscht eine eigene Kultur. Tausende (oft illegale) Neuankömmlinge, insbesondere aus Nachbarländern kommen täglich hinzu, oft zuerst in Häusern aus Kartonschachteln oder Wellblech lebend.



Die Stadt mit der höchsten Gewaltrate, in der die Garage mit den teuersten Luxuskarossen genau wie die Fertigung von gepanzerten Fahrzeugen zu finden sind und in welcher die meisten Häuser oder Siedlungen Rund-um-die -Uhr-Bewachung haben, fasziniert uns. Man bräuchte aber wohl drei oder vier Fahrten mit dem Bus, der nur bis in den frühen Nachmittag fährt, so dass Spaziergänge dazwischen aus zeitlichen Gründen kaum möglich sind. Ob dies mit Sicherheits- oder Verkehrsproblemen zu tun hat, wissen wir nicht. Unsere Zeit reicht jedenfalls nirgends hin und es gäbe noch so viel zu erkunden.



In Melrose Arch beim Portugiesen essen wir mit Geniene und Keith, unseren Hausleihern. Genienien macht Magazine, vernetzt Leute aus dem Tourismus und hat eine Million Ideen. Wir sind gespannt, ob Manfreds Fotos wirklich einmal im Flughafen Entebbe hängen und wir als Fotograf und Journalistin tatsächlich einmal in andere Länder eingeladen werden. Spannend!



Schliesslich fliegen wir für vier Tage nach Kapstadt. Auf Empfehlung von Freunden haben wir hier eine spezialisierte Anwältin, die uns hilft, unsere Visas die im Februar 2025 bereits ablaufen, zu verlängern beziehungsweise zu erneuern. Mit den Behörden in Südafrika ist bekanntlich nicht zu spassen – ich war für fünf Jahre eine «unerwünschte Person» wegen einer vertrackten Visageschichte – und so wollen wir das korrekt und früh genug machen. Neun Monate sollten dafür reichen, meint man. Wir haben schon alle Papiere, vor allem Bankbelege und Beweise, dass wir unser Auskommen mit Renten und Vermögen sichern können und nicht armengenössig werden hier, bereits abgeliefert. Nun benötigen wir noch eine Bestätigung dass wir nicht Irr sondern ziemlich zurechnungsfähig und gesund sind, keine TB haben und besuchen dafür den Arzt und lassen uns durchleuchten. Schliesslich geht’s zusammen mit der Anwältin ins Büro der Agentur, die von den Behörden für die Entgegennahme der Visagesuche delegiert ist, wo wir noch ein paar Formulare unterschreiben müssen, die Fingerabdrücke genommen werden und ein Foto gemacht wird.

Es geht zügig und nach einer Stunde sind wir wieder auf der Strasse. Beim Herausgehen informiert uns die Anwältin über das weitere Verfahren, sie rechnet damit, dass auch unsere Gesuche auf den Stapeln mit Tausenden von Dokumenten zu liegen kommt und es etwa 18 (!!!) Monate dauern wird, bis die Papiere bearbeitet sind und wir den Entscheid vor Ort in Kapstadt in Empfang nehmen dürfen. Es gilt also, unsere Heimaturlaube zwischen dem Ablauf des alten und dem hoffentlichen Inkrafttreten der neuen Visums gut zu planen, damit wir jeweils mit den Touristenvisa von 90 Tagen gut durchkommen.



Da Bushbaby in Johannesburg Urlaub macht beziehungsweise die Stossdämpfer repariert und die Blattfedern ergänzt werden, damit wir wieder sicher und komfortabel weiterreisen können, sind wir in Kapstadt autolos und geniessen es auch hier, zu Fuss und mit dem roten Bus unterwegs zu sein. Wir haben schönstes Sonnenwetter, wenn auch teilweise der Kapdoktor den Smog aus der Stadt bläst und die Gischt über dem Meer wehen lässt. Wir können von unserem Airbnb (House on the Hill) zu Fuss an die Waterfront und zu unseren Terminen, was uns gut tut und Spass macht. Wir besuchen den botanischen Garten Kirstenbosch, das älteste Weingut des Kaps, Groot Constantia und essen mit bester Aussicht auf den Strand in Camps Bay. Natürlich lernen wir auch wieder viel über die verhältnismässig kurze aber heftige Geschichte des Kaps und der Region – diese werden wir wieder vergessen und können uns damit schon auf die nächste Fahrt mit dem roten Bus freuen..



Am Morgen vor dem Heimflug treffen wir uns kurz mit Antoine, dem Forscher, mit dem wir einmal in iMfolozi bei WildlifeACT zwei grossartige Wochen verbrachten und unzählige unvergessliche Erinnerungen davon mitnehmen konnten und seiner Frau und Baby Danny.



Die drei Wochen in der Heimat verfliegen im Schnellzugstempo. Unzählige schöne Begegnungen mit der Familie und Freunden, berührende Momente, erfüllte Erwartungen und solche, die wir nicht zu erfüllen schafften - der Mai hat uns nicht ganz das erhoffte Sonnenglück gebracht, aber dennoch war das Wetter oft besser, als die Vorhersagen prophezeiten. Wir haben es extrem genossen, unseren (mittlerweile Simons) Dartos um und bei uns zu haben und stundenlange Spaziergänge zu machen. Danke an alle, die zu einem wunderbaren Feriengefühl beigetragen haben und - bis zum nächsten Mal!



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213 Ansichten1 Kommentar

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1 comentario


sandra.bucher
19 may

Vielen lieben Dank für den tollen Bericht. Es ist immer wieder interessant zu lesen und mitzuerleben. Danke dass ich daran Teilhaben darf. Weiterhin alles Gute und Passt auf Euch auf.

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