Besondere Orte und Erinnerungen..

 

Natürlich kennen wir noch nicht die ganze Welt, doch haben wir schon einiges gesehen... Unsere Lieblingsorte und besonderen Erinnerungen? Natürlich fühlen wir uns hier in der Zentralschweiz zu Hause, hier ist unsere Heimat - doch hier gemeint ist wohl das Reiseleben...Also einige Hintergrundinfos und Herzensangelegenheiten in Interviewform:

Manfred, wo würdest du am liebsten immer wieder hinreisen?

Ins schweizerische Engadin, weil die Natur grossartig ist und die Hirsche, die man dort Anfang Oktober röhren hört, etwas vom eindrücklichsten sind, was man überhaupt erleben kann.

Maya, wenn du dir einen Ort zum Wohnen aussuchen dürftest, welcher wäre das?

Das kleine Küstenstädtchen St. Lucia in Zululand, Südafrika. Der Ort ist wohl recht touristisch, doch auch ursprünglich genug, um wohnlich und gemütlich zu wirken. Vor allem ist er für Naturliebhaber ein Paradies weil mit dem Flussdelta, dem Meer und einer grossartigen Landschaft viele Ökosysteme aufeinandertreffen. Man kann also rund ums Städtchen wohl die vielfältigste Tier und Pflanzenwelt erkunden - von Walen bis zum Flusspferd, diese sogar in den Strassen der Stadt. 

Manfred, welchen Ort verbindest du ganz besonders mit dem Begriff "Wildnis"? 

Ganz spontan: Central Kalahari Game Reserve. Weit weg von allem, wild und auch ein wenig gefährlich. Je nach Tageszeit und Wettersituation im Sand oder im aufgeweichten Boden einsinken und man hat keine Garantie bald Hilfe zu erhalten. Man ist auf sich selbst gestellt und spürt die Gefahren der afrikanischen Tierwelt in den uneingezäunten Camps. Die im Buch vom Forscherehepaar Owens beschriebenen Erlebnisse aus "Cry of the Kalahari" scheinen greifbar und top aktuell.

Maya, welcher Ort ist für dich besonders romantisch? 

Ein Picknickplatz am Sambesi im gleichnamigen Nationalpark in Zimbabwe. Vom Sonnenauf- bis Untergang am selben Ort am Flussufer sitzen, in der Hängematte liegen, gutes Essen und am Abend ein Glas Wein. Das Wasser fliesst gemächlich, Wildtiere rundherum kommen und gehen. Man ist abgeschieden und allein, es hat hier kaum andere Fahrzeuge. Dennoch ist die nächste Stadt, nicht weit entfernt. Die Landschaft ist sanft und scheint unspektakulär, doch das Licht, insbesondere in den Abendstunden ist grossartig. 

Manfred, du liebst es, Blitze zu fotografieren - wo erlebtest du das eindrücklichste Gewitter?

Bei diesem habe ich nicht fotografiert sondern lag in meinem Bett in einem der Mietzelte auf dem Höhengrat von Mpila Camp im Imfolozi Nationalpark, Kwa Zulu Natal, Südafrika. Wir fühlten uns in der tiefschwarzen Nacht schutzlos der Naturgewalt von pausenlosen grellweissen Blitzen und ohrenbetäubendem Donner ausgeliefert, malten uns aus wie wir vom Feuer geröstet wurden und unsere Herzen schlugen in panischem Rhythmus im Gleichtakt - wir klammerten uns tatsächlich aneinander. 

Maya, gab es einen Ort an den du dich mit Herzklopfen erinnerst? 

Den nördlichsten Zipfel von Chobe NP, Botswanan, nahe bei Linyanti. Es herrschte grosse Trockenheit und die Elefanten sammelten sich in den verbleibenden Flüssen. Wir folgten einem gewundenen Strässchen durch dichten Wald, schlängelten uns immer wieder an Elefanten vorbei. Alle Herden schienen unterwegs, teilweise mit kleinen Babies. Sie schienen uns immer aggressiver zu reagieren und nach dem Wenden gerieten wir langsam in Panik. Man sah kaum ein paar Meter weit und die grauen Riesen schienen sich hinter jeder Biegung und jedem Baum zu verstecken, waren plötzlich ganz nah hinter oder vorn uns und die gewaltigen Ohren flatterten, die Rüssel wurden gehoben und geschlenkert. Einziger Wunsch: ein Kran, der uns herausheben und in Sicherheit bringen würde...

Manfred, bist du mit einem der Autos einmal stecken geblieben?

In Kenia machten wir uns abends mit unserem Massai-Führer Ntaja in der weiten und praktisch menschenleeren Aussenzone der Mara auf eine Abendexkursion. Ich schätzte eine feuchte Stelle falsch ein und beide Räder frassen sich in ein Schlammloch, aus dem es kein Entrinnen gab. Schon rechnete ich damit, dass wir die Nacht dort ausharren müssten, doch - noch heute scheint mir das unglaublich - nach einigen Minuten griffen die Lichtkegel eines Fahrzeugs nach uns, beleuchteten unsere Situation und mit Leichtigkeit zog uns der Fahrer aus der Misère... 

Maya, was war das einschneidendste Erlebnis für dich?

Das scheint eine schwierige Frage, ist aber eine sehr einfache: 2015 verbrachte ich eine Auszeit im südlichen Afrika. Anfangs Oktober reisten wir in Johannesburg ein, reisten nach Zimbabwe und Zambia, danach blieb ich in Zululand wo ich Freiwilligenarbeit bei WildlifeACT leistete und dazwischen Urlaub in St. Lucia genoss. Ende Dezember holte ich Manfred, der zuhause gearbeitet hatte, wieder ab und wir wollten die restlichen sieben Wochen, die ich geschickt ausgerechnet hatte, so dass es nach der Wiedereinreise nach Südafrika innerhalb des 90-Tage-Visums reichte, wieder im Ausland verbringen. Am Grenzposten im Kgalagadi-Nationalpark dann der Schock: ich hatte bereits einen Overstay, weil die Südafrikaunion die Ausreise nach Zimbabwe und Zambia nicht so klassierte, dass ein neuer 90tägiger Aufenthalt erteilt wurde. Trotz dem Versuch, in allen möglichen Ämtern und mit jeglichen Formularen und Papieren alles zu legalisieren ereilte mich bei der Ausreise auf dem Flughafen das drakonische Urteil: für 5 Jahre jegliche Einreise nach Südafrika verweigert. Auf meinen Rückkommensantrag erhielt ich nicht einmal eine Antwort. Die fünf Jahre sind lang aber keine Ewigkeit...

 

Manfred, welche Personen sind dir von deinen Reisen in besonderer Erinnerung? 

Da gibt es einige, insbesondere von der Projektarbeit bei WildlifeACT, aber auch unser Massai-Führer. Personen, die uns Einblicke in ihr Leben gaben und die uns so viel lehrten. Ihr Land, ihre Arbeit, die Kultur und sie aus der Nähe zu betrachten, zu verstehen und sicher auch einen Teil, sie zu lieben.

 

Maya, welches war für dich der mystischste Ort?

Antelope Cañon in den USA. Ich habe die Indianer schon früh aus Büchern und danach auf einer Reise mit meinen Eltern, bei welcher wir den Stamm der Hopi bei einem traditionellen Fest erlebten, bewundert und mit Faszination betrachtet. Die Fotografie-Tour in der Spalte des orangen-roten lichtdurchfluteten Gangs, die schwebende Melodie einer Flöte weit weg, diese Bilder bleiben mir nicht nur dank der Fotos, die ich gern um mich habe (beispielsweise im Bushbaby), im Herz.

Manfred, welche besonderen Jagdszenen kommen dir in den Sinn?

Da haben wir einige erlebt, spontan kommt mir eine im Amboseli NP in den Sinn. Die Geparde jagten inmitten einer Herde mit zahlreichen neugeborenen Gnus, die Nabelschnur noch weich und das Fell nass. In der Zeit, in welcher wir beobachten konnten, erwischten die Jäger keines der Kleinen, weil die Mütter diese in eindrücklicher Weise schützten. Mehr Glück hatte eine Gepardenmutter im Imfolzi NP: die Autos, deren Insassen etwas beobachteten waren sehr überrascht, als die Katze mittendrin ein junges Impala jagte. Anschliessend rief sie ihre beiden Kleinen, um mit ihnen die Beute zu teilen.

 

Maya, gibt es eine überraschende Szene, die du beschreiben könntest?

Ja, ich glaube, etwas vom Überraschendsten war, als ich neben meinem Autofenster ein hohes, zartes Miauen hörte. Ich erwartete, eine Ginster- oder Wildkatze zu entdecken. Nicht damit gerechnet hatte ich damit, dass ein ausgewachsener Gepard so tönt.

Manfred, bist du einmal ohne Benzin stehen geblieben?

Im Ausland hatte ich bisher immer Glück, in der Schweiz passierte mir das als Neulenker einmal und einmal meinte ich, wir müssten das Fahrzeug über den Flüelapass stossen, doch es reichte wohl auf den letzten Tropf bis zur Tankstelle. In den Ländern mit weiten Strecken geht man mit dem Tanken wohl viel bewusster um.

 

Maya, hattet ihr einmal mit Elfenbeinschmuggel zu tun?

Ja, hätten wir fast gehabt. Auf einer Fahrt durch den Hwange NP in Zimbabwe entdeckten wir im Feld neben der Strasse etwas weisses. Verbotenerweise stieg ich aus und holte es. Es war die Spitze eines Elefantenzahns. Natürlich hätten wir es am liebsten eingepackt, doch schon beim Fotografieren wurde uns bewusst, wie gefährlich allein schon ein Bild mit einem Stück Elfenbein ist. Schlussendlich, nach eingehender Betrachtung, warfen wir es wieder in die Natur und dachen, wir irrsinnig der Mensch doch ist, dass ein solches Stück Zahn solchen Wahnsinn bedeutet.

Maya, du bevorzugst bei Freiwilligenprojekten den Einsatz für Tiere gegenüber dem für Menschen, warum?

Stimmt so nicht ganz, die Arbeit mit Touristen in der Lodge hat mir sehr gut gefallen. In den Sozialprojekten, vor allem in Kenia, hat mir die Mentalität aber Mühe bereitet. Ich finde es erstens nicht so toll, wenn wir weissen kommen, alles wissen und bringen und dies auch erwartet und genutzt wird. Der Graben zwischen Arm und Reich ist deutlich vorhanden, doch ich war ziemlich entsetzt, dass sich Errungenschaften wie Tisch, Stuhl und ähnliches in der Behindertenschule, an der ich arbeitete, nicht durchsetzt hatte. Das konnte nicht an Armut liegen, sondern am Interesse, gute Rahmenbedingungen für sich selber zu schaffen. Eindrücklich war für mich auch, dass das Material und das Wissen, das sich in der Schule ansammelte, weder geschätzt, gut genutzt noch gepflegt wurde. Diskussionen über den Einsatz und den Umgang mit Geld haben mich dermassen geärgert, dass ich mich lieber auf Tiere einlasse.. 

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