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Am Karibasee und dem unteren Sambesi

  • Autorenbild: Maya von Dach
    Maya von Dach
  • 11. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

Etwas mehr als einen Monat sind wir im Südosten von Sambia und dem Nordosten Simbabwes unterwegs, um die wildesten Parks zu besuchen, die bisher für uns nie an der Route lagen oder während und nach der Regensaison schlicht nicht erreichbar waren. Mit viel Zeit und ohne Eile geniessen wir nun eine Tierwelt, die sich noch stark im schwindenden Grün versteckt, wunderschöne Landschaft und überirdisch schöne Farbspektakel.



Zurück zu Bushbaby

Der Flug von Skukuza nach Lusaka verläuft problemlos und wir staunen über die Ausdehnungen der sambischen Hauptstadt. Geke, die Eigentümerin holt uns und ihren Mann Harry am Flughafen ab und fährt in zügigem Tempo quer durch den Abendverkehr ins Lukasa. Wir freuen uns, zu Bushbaby zurückzukehren, hoffen, dass alles in der Ordnung ist und die Alpträume von Ameisen oder Mäusen, die alles verfressen haben, Schimmelpilz oder anderen Horror-Szenarien sich nicht bestätigen. Wir ziehen die schützende Plane weg, öffnen die Kabine und freuen uns ab dem ersten Eindruck. Manfred startet den Motor und schon im ersten Anlauf springt dieser an. Nun ergreift uns Freude und wir öffenen Fenster und das Dach, versorgen erste Sachen vom Koffer in die Schränke, doch dann ergeben wir uns der Müdigkeit und schlafen glücklich in unserem Himmelsbett im Dachzelt. Es ist trocken und einigermassen warm in Lusaka, was wir uns im Sabiepark nur erträumen konnten. Nach dem Ordnungschaffen verabschieden wir uns bereits am Mittag von Geke, Harry und Lusaka und fahren ins Pioneers Camp, wo es sich wilder anfühlt. Hier treffen wir lustigerweise andere Schweizer, Nadja und Marco, die von Windhoek, wo sie ihr Fahrzeug jeweils einstellen, über Simbabwe nach South Luangwa unterwegs sind, dann wieder zurück. Der Abend ist kurzweilig, aber auch kurz, denn wir wollen früh weiter, wieder zurück an den Kafue und Sambesi.



Im 'Unteren Sambesi Nationalpark‘, Sambia

Ein kurzer Einkaufsstop, dann ins Städtchen Chirundu und in die wunderschön gelegene Kiambi Lodge, direkt am mächtigen Sambesi. Zu sehen, wie trocken jetzt alles ist, übrrascht uns, denn vor zwei Monaten war alles schlammig, unzugänglich und das Gras überall grün und höher als unsere Motorhaube. Nun wird das Gras axchon gelb, die Blätter fallen, es ist Herbst. Nach zwei Nächten fahren wir näher zum Nationalpark, in welchem es leider keine Campingplätze gibt, weshalb wir uns ausserhalb, in der Mvuu Lodge, einnisten. Von hier machen wir je eine Tagesfahrt in den Park und in die Pufferzone, einen Bootsausflug im Sonnenuntergang und geniessen einfach die Ruhe und das Urlaubsgefühl. Es ist warm, tagsüber sogar heiss, am Abend sehr angenehm und in der Nacht kühlt es herrlich ab. Die langen Hosen bleiben im Schrank, das Duvet kommt erst gegen den Morgen über den Körper. Zum Abschluss besucht uns noch ein Elefant im Camp, unbeeindruckt von Fahrzeugen sucht er sich seine liebsten Blätter von den Bäumen, das grünste Gras vom Boden, wobei im Tränen aus den Drüsen laufen – der Bulle ist in Musth, brünftig, kein besonders gutes Zeichen für uns und Bushbaby, denn in dieser Stimmung ist nicht gut Kirschen essen mit ihnen. Doch alles kommt gut, er lässt zwar seine Spuren neben Bushbaby liegen, ein Stuhl kippt zur Seite, aber sonst geht er friedlich weiter. Wir schauen aus dem Bett hinunter, Adrenalinspiegel und Puls sind hoch und es ist wie immer mit Elefanten, einfach unglaublich beeindruckend.



Seitenwechsel nach Simbabwe

Nach fünf geruhsamen Tagen auf der Sambia-Seite des Sambesi und einer Zusatznacht nach dem Auffüllen der Vorräte in Chirundu in der Gwabi Lodge, fahren wir zur Grenze. Diese ist bekannterweise ziemlich chaotisch, aber Manfred bereitet sich akribisch vor, er hat die einzelnen Schritte präzis im Griff. Schon bei der Anfahrt rennt uns ein sogenannter Fixer entgegen. Wir sind beim falschen Gebäude. Nein, Manfred will keine Unterstützung – jedenfalls ursprünglich, denn schliesslich geben wir nach und lassen uns vom Helfer von Posten zu Schalter, hin und her führen. Zwar ist alles in einem Haus, aber das Chaos herrscht und den Durchblick zu haben ist schlicht unmöglich. Die Schlange der Wartenden ist lang, mit einigen Kwatscha in der Hand kann unser Helfer sie stark verkürzen und wir kommen zügig voran. Aus Sambia heraus, die Visas für Simbabwe, hier zahlen, da zahlen, Interpolschalter, Einfuhr von Bushbaby mit Carnet und notwendigem TIP, wobei sichtbar wird, dass unser letztes TIP nicht aus dem System gelöscht wurde - dann stürzt das Computersystem ab und das Warten beginnt. Alle sind sehr freundlich, aber nun geht nichts mehr. Schliesslich werden wir wieder gerufen und können die Formalitäten beenden. Simbabwe, wir kommen!



Mana Pools

Einer der berühmtesten, aber auch abgelegensten Nationalparks des südlichen Afrikas wartet noch auf unseren Besuch: Mana Pools auf der dem Lower Zambezi gegenüberliegenden Seite des Flusses. Die Anfahrt, die nach dem vielen Regen erst seit Kurzem überhaupt wieder möglich ist, ist lang und die Strasse streckenweise miserabel. Zuerst muss eine Bewilligung eingeholt und gefühlte zehn Bücher mit den Daten gefüllt werden, schliesslich schaffen wir es und buchen unsere fünf Nächte. Zwei davon verbringen wir im Hauptcam, Nyamepi, drei auf sogenannten Exklusiv-Plätzen, auf denen wir allein sind. Der Park ist nicht riesig, schön mit seinen weiten Flächen und dichtem Busch oder gar Wald, und dem wunderbaren Sambesi. Wir entdecken leider nicht allzu viele Tiere, ausser natürlich Impalas, Elefanten, Warzenschweine und hunderte von Hippos, also Flusspferden, im Sambesi. Die Campingplätze sind schön, der Luxus ist die Landschaft, Infrastruktur gibt es keine ausser auf dem Hauptcamp. Unübertrefflich ist allerdings die Magie der Sonnenauf- und untergänge und die Farben und Stimmungen, die diese kurzen Momente in die Landschaft zaubern. Der Tag bringt immer wieder neue Farben hervor, genau wie unterschiedliche Tiere. Manfred kann sich wieder ausgiebig der Vogelfotografie widmen, wenn die Spinte sich Beute von der Wasseroberfläche holen, am Abend hören wir in der Ferne die Löwen brüllen, die Flusspferde prusten vor dem Steilufer und suchen sich am Abend Wege zum saftigen Gras, das sie mampfen. Die Impalas sind brünftig und lärmen, dem Röhren der Hirsche nicht unendlcih. Mana Pools gefällt uns gut, und beglückt uns bei der Ausfhart noc hmit einer Tierart, die wir noch nie gesehen haben: zwei wunderschöne Streifenschakale, die an Wölfe erinnern. Die Lust auf Neues lässt uns weiterfahren.



Am Kariba-See

Zuerst verbringen wir drei Tag in Kariba auf dem ‚Lomagundi Camping‘, wo wir Philip und Daniel, denen wir schon in Mana Pools begegnet sind, wiedertreffen. Wir nehmen es gemütlich, kaufen ein, organisieren und geniessen es, noch einmal ein Restaurant zu haben. Abends grasen regelmässig Hippos, also Flusspferde, auf dem bewässerten Rasen des Platzes. Vor fast einem Jahrzehnt haben wir in Kariba Sepp, einen ausgewanderten Schweizer, Sepp, zufällig geftroffen, den wir jetzt wieder zu finden versuchen. Mit Erfolg und es scheint, dass der sechsundachtzigjährige sich am unerwarteten Besuch freut. Schliesslich machen wir uns auf zu neuen Ufern: Raphael, der Kapitän des Fahrschiffs Mhofu bringt uns über den Karibasee zum Eingang des Matusadona Nationalparks, auf den wir uns unbändig freuen. Die Überfahrt beim Aufgang der Sonne ist ein riesiges, wunderbares Erlebnis. Normalerweise landet die Fähre auf Spurwing Island und von dort kann man fahren, aber beim momentan sehr hohen Wasserstand des Karibasees ist die kurze Überfahrt geflutet, die Insel wieder eine Insel und wir legen auf dem Festland des Parks an.



Matusadona – wo neue Ären beginnen

Erst vor Kurzem haben wir gesehen, dass Wildhunde hergebracht wurden und diesen grossen, wilden Park in Beschlag nehmen dürfen und in Kariba erfahren wir, dass ausserdem Spitzmaulnashörner eingeflogen werden sollen. In das Gebiet des heutigen Nationalparks von Matusadona, entlang der gleichnamigen Berge, wurden bei der ‚Operation Noah’ Tausende von Tieren gebracht, die beim Füllen des Sees in den späteren 1950er-Jahren fast ertrunken wären.  Später, in den schwierigen Jahren Simbabwes, wurde das meisten Wild, inklusive die Nashörner, durch Wilderei ausgerottet, beziehungsweise die allerletzten Exemplare in anderweitige Sicherheit gebracht. Nun, da ‚African Parks‘ die Leitung des Parks übernommen hat, dürfen sie, gut geschützt, wieder Fuss fassen und wir können miterleben, wie die ersten von 17 Spitzmaulnashörner eingeflogen werden! Dafür landet ein riesiges Transportflugzeug, in dessen Bauch zwei Transportkisten stehen, in denen je ein Spitzmaulnashorn gebracht wird. Diese Kisten werden vom Flugzeug praktisch direkt auf Lastwagen geladen, die die Tiere in die Boma bringen, wo in Einzelkäfigen die Eingewöhnungszeit abgewartet wird. Mindestens einen Monat lang werden die Tiere dort betreut, dann in die Freiheit entlassen. Welch spannendes Erlebnis, dabei zu sein!



Überirdische Schönheit

Tashinga, das Hauptcamp des Parks, liegt auf einer Halbinsel, die sich in den See streckt. Wie Bushbaby auch steht, wir sehen sowohl den Sonnen- und Vollmond-Aufgang wie auch ihren Untergang, sogar direkt vom Bett aus. Allerdings ist dies jedes Mal ein solch überwältigendes Farben- und Naturspektakel über den toten Bäumen im See, die ihre nackten Äste in den Himmel strecken, dass uns nichts im Bett hält und wir jeden Abend wieder mit vielen „Ah“ und „Oh“ hunderte Fotos schiessen. Bei Ausfahrten und auf zwei Bootsfahrten sehen wir einmal mehr nicht viele Tiere, dafür erhalten wir im Camp immer wieder Besuch: tagsüber von Affen, Impalas und Elefanten, die die Samen der Bäume herunterholen wollen, nachts von geräuschvoll mampfenden Hippos.



Ein Wildhundetraum geht in Erfüllung

Von den Wildhunden ist ein Rudel bereits in die Freiheit entlassen worden, das andere ist noch in der Boma, dem Eingewöhnungsgehege, wo es einen Wurf mit vier Welpen grosszieht. Jeden zweiten Tag werden die Wildhunde gefüttert und zusammen mit den Donatoren von African Parks werden wir eingeladen, an einem Morgen dabei zu sein. Nicht lange, nachdem die Hunde einen Impalakadaver erhalten haben, kommen die Hunde herangerannt und mit ihnen auch die vier Kleinen. Wir haben den perfekten Standort, um die Kleinen zu beobachten, wie sie bereits wie die Grossen am Fleisch reissen und kauen, dann aber auch noch von der Mutter geschluckte und herausgewürgte Brocken erhalten. Dies ist in all den Jahren, in denen wir unter anderem immer wieder als Freiwillige mit Wildhunden gearbeitet haben, das erste Mal, dass wir Wildhundebabys sehen und fotografieren können.



Abschied in Kariba

Mittlerweile ist es richtig Herbst geworden, Blüten sind vertrocknet, das Gras ist gelb und dürr, die Blätter der Baobabs sind abgefallen, so dass sie ihre Zweige tot in den Himmel strecken. Der unendliche Mopaniwald wird orange und rot, auch hier sind die Büsche nicht mehr lange belaubt, schon liegen die ersten der Schmetterlingsblätter am Boden, der herbstlich zu knistern beginnt.

Wir fahren erneut mit der Fähre anstatt über die miserable Strasse zurück nach Kariba, wo wir eine letzte Nacht mit den Flusspferden des Karibasees verbringen, bevor wir uns zurück über die Grenze beim grossen Staudamm begeben und wieder nach Sambia einreisen. Denn auch dieses Land hat uns noch viele wilde und unbekannte Seiten zu bieten.



 
 
 

1 Kommentar


sandra.bucher
11. Juni

Ihr Lieben, wieder einmal mehr ein faszinierender Reisebericht zum lesen. Wenn man anfängt kann man gar nicht mehr aufhören bevor er zu ende ist. Die farbenprächtigen Fotos sind eine Offenbahrung. Unglaublich was die Natur zaubert. Man könnte richtig neidisch werden, oder anders gesagt, man bekommt die Sehnsucht, dass man es auch erleben möchte. Danke für die tollen Eindrücke. Passt weiterhin gut auf Euch auf. Liebe Grüsse

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