Sambiareise und Heimurlaube
- Maya von Dach

- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit

Regenzeit in Sambia
In diesen Breitengraden bedeutet die Regenzeit schlammige Strassen, unerreichbare Sumpfgebiete und dem Wetter entsprechend spontane Entscheidungen. Wir sind schneller und direkter unterwegs als geplant und erkunden viel Neues, anderes dagegen ist unerreichbar. Interessante Begegnungen mit spannenden Menschen bereichern unsere Abenteuer und Bushbaby bekommt eine Spezialpflege.
Livingstone und Sioma Ngwezi
Die ersten Tage in Sambia verbringen wir in der Umgebung von Livingstone, ohne jedoch die Fälle von der sambischen Seite her zu besuchen – vielleicht ein Fehler, denn wir hören, dass sie auch von dort im Moment sehenswert seien, schöner noch als von Simbabwe. Livingstone enttäuscht uns, verglichen mit Victoria Falls eher, denn es scheint uns ziemlich heruntergekommen. Dank unseren Campsite-Besitzern finden wir immerhin ein hübsches Café. Wegen des starken Regens funktioniert auf dem Campingplatz die Wasserpumpe nicht, eigentlich kein Problem, denn unser Wassertank ist voll und wir behelfen uns zum Duschen mit der Colaflasche. Allerdings sind wir froh, dass uns die Wäsche gewaschen wird und staunen über den Hinweis, dass alles gebügelt werde – es gebe, insbesondere in diesem feuchten Wetter kleine Fliegen, die ihre Eier bevorzugt in feuchtwarme Wäschestücke ablegen, was später beim Tragen hässlichen Befall durch die ausschlüpfenden Würmer ergeben könne. Interessant und ziemlich gruselig - wir sind dankbar, jetzt sogar gebügelte Unterwäsche zu tragen.
Die hässlichste Strasse
Wir folgen dem Sambesi auf der schlechtesten Strasse mit hunderten von Schlaglöchern und extrem viel Verkehr in Richtung Westen. Zuerst erreichen wir Shesheke, dann fahren wir weiterhin dem mächtigen Sambesi folgend in Richtung Norden, wo wir gerne den Sioma Ngwezi Nationalpark erkunden würden. Wir finden wunderschöne Wildcampingplätze, wo wir keine Menschenseele antreffen, eine Nacht stehen wir direkt am Fluss, den wir sonst leider kaum je zu sehen bekommen. Zum abgelegenen Nationalpark an der Grenze zu Namibia schaffen wir es leider aufgrund zu mieser Strasse und engstehender Bäume nicht, sondern geben auf und kehren um. Genauso erfolglos sind wir bei den Ngonye-Fällen, doch die Fahrt durch Dörfer und Felder geben uns tiefe Einblicke in das Leben der Bevölkerung.
Beim Induna im Land der Barotse
In Senanga, einer lebhaften kleinen Stadt, in der wir tanken und einkaufen – unser Wasser wird nach so viel Wildcampen langsam knapp -, überlegen wir uns, auf dem Campingplatz einer Lodge zu übernachten. Diese liegt direkt am Sambesi und hat einen tollen Ausblick, allerdings ist sonst alles total heruntergekommen, was ebenfalls eindrücklich ist. Wir essen zwar etwas, fühlen uns aber nicht wohl hier und fahren weiter. Der Sambesi führt nun durch die Schwemmebene von Barotseland, doch wir sehen auch davon nicht wirklich viel. Wir erreichen den nördlichsten Punkt, Mongu und fahren irgendwo in eine Seitenstrasse, um dort wild zu übernachten. Wir finden einen herrlichen Platz und bekommen bald Besuch: Der Mann erklärt uns, wir dürften gern hier übernachten, sein Bruder, der ganz nahe bei den Bäumen wohne, sei der Induna hier, eine Art Regionalvorsteher und Minister des Königs der Barotse. Später holt er uns ab und führt uns zum Induna.
Nach einer Regendusche und wunderschönem Regenbogen erreichen wir die Hütten erst beim Hereinbrechen der Dämmerung und sehen zuerst Frauen und Kinder, die an einem Feuer am Boden sitzen, daneben stehen Polsterstühle, auf denen wir Platz nehmen dürfen und Bänke. Der Bruder des Induna berichtet, sie hätten hier am Nachmittag eine Besprechung mit Experten gehabt, die über Fungizide und Pestizide informiert hätten – auch in der tiefsten Natur kommen Chemikalien also an. Schliesslich kommt der Induna, begrüsst uns, zeigt uns Fotos von sich in traditioneller Kleidung und mit dem König. Wir sehen nicht mehr viel, denn es gibt hier kein Licht. Der Häuptling erzählt uns voller Stolz, er werde die königliche Barke, die den König und seine Familie Mitte März auf höhergelegenes Land bringe, weil der Fluss ansteige und Überschwemmungen mit sich bringe, mitrudern. Barotseland ist in Sambia integriert, möchte aber gern unabhängig werden. Die Zeremonie des Umzugs per riesigem Ruderboot in Zebrabemalung auf dem Sambesi hätte ich sehr gern miterlebt, aber immerhin ist schon die Begegnung mit dem Induna sehr speziell. Er besucht uns am nächsten Morgen bei Bushbaby und versteht gar nicht, dass man ein so tolles fahrendes Haus haben kann. Er freut sich sehr über Manfreds Tschäbi, das dieser ihm auf seine Bitte hin schenkt.
Kafue NP und Itezhi Tezhi
Im Wissen, dass wir nicht viel sehen werden, tauchen wir in den Kafue Nationalpark ein. Die Spinalstrasse genannte Haupttrasse von Nord nach Süd ist gut befahrbar, aber die wegführenden Nebenstrassen sind viel zu schlammig für Bushbaby. Im Kasabushi, wo wir vor Jahren schon waren, erleben wir wieder einmal eine magische Nacht mit Löwengebrüll, neben Bushbaby grasendem Flusspferd und all den Geräuschen unter dem Sternenhimmel, die man sich im Busch wünschen kann. Natürlich sehen wir im dichten Grün des Waldes, Busches und der Wiesen mit Gras, das höher steht als Bushbaby keine Raubkatzen, aber immerhin einige Antilopen und Warzenschweine. Wir umrunden den Itezhi Tezhi-See im Süden und erreichen das Westufer, wo es drei Campingplätze gibt. Die nächstgelegene verfügt über ein Restaurant und da wir nach viel Selbstkochen wieder einmal Pommes möchten, landen wir dort. Der Camping ist mittelmässig, die Dusche funktioniert nicht, dafür dürfen wir eine in einem Häuschen benutzen. Das Essen schmeckt dafür herrlich und die Aussicht auf den See und der Sonnenuntergang sind bombastisch. Wir bleiben, entgegen unseren Plänen, für fünf Nächte hier, machen von hier aus Ausflüge in die Umgebung und geniessen das Gefühl von Urlaub und Verwöhntwerden.
Lusaka zum Ersten
Bushbaby muss dringend in den 80’000er Service, braucht neue Reifen und wir möchten sehen, wo unser Fahrzeug bald unsere Abwesenheit übersteht. So steuern wir das Lukasa Camp in Lusaka an. Die Eigentümer sind nicht hier, aber alles ist perfekt organisiert und zu unserer Überraschung kann Bushbaby bereits am zweiten Tag zu Dan Willies in die Garage. Wir geniessen den riesigen Garten und das offene Haus hier und lernen interessante Leute kennen, die viel zu erzählen haben, weil sie lange Erfahrung mit dem Leben in (Ost)Afrika haben. Bei Mario können wir auch eine Comesa-Versicherung abschliessen, die uns die Einfahrt in einige Länder erleichtern soll. Der Service der Garage überzeugt uns nicht in allen Teilen, ein mürrischer Boss, schlampige Arbeit, wenn dieser nicht neben den Arbeitern steht, ein Teil des Jobs muss im zweiten Anlauf erledigt werden, ausserdem sollen die Reifen einen Wucherpreis kosten – wir organisieren sie schliesslich andernorts. Neu wird unsere Ausrüstung von einem Starlink ergänzt, so dass wir künftig auch ohne Telefonnetzwerk mit der Welt verbunden sein werden.
Etwas weiter südlich
Wir wenden uns noch einmal südwärts, in Richtung Sambesi und Lochinvar Nationalpark, um Neues zu entdecken. Der erste Zeltplatz am Sambesi ist am Tag wunderschön, doch in der Nacht eher ungemütlich: zuerst werden wir mit Musik beschallt, dann strahlt uns das Flutlicht die ganze Nacht an, so dass wir weiterfahren und die Zelte in ‘The Moorings’ aufschlagen. Dieses tolle Camp gehört uns allein und wir geniessen die Stille, die Vögel und das Grün. Wir unternehmen einige spannende Erkundungsfahrten ins Hinterland, doch der Nationalpark liegt zu sehr in den Schwemmgebieten des Sambesi und so kehren wir immer wieder nach ‘The Moorings’ zurück, im Sonnenschein und im Regen.
Bushbaby bleibt in Lusaka
Schliesslich ist der Moment gekommen, wo wir Abschied vom geliebten Reiseleben nehmen. Wir freuen uns auf das, was kommt, aber das Unterwegssein hat uns sehr gefallen. Da wir nicht nur gute Berichte über unseren Standplatz im Lukasa gehört haben, beschliessen wir Bushbaby draussen vor den Häusern stehen zu lassen, was uns genauso so sicher scheint wie neben oder unter den Wellblechdächern. Mit unserer isolierenden Plane packen wir das Fahrzeug ein, damit es von Affen, Wind und Wetter wenigstens oberflächlich geschützt ist, kappen die Batterie und schliessen alles ab. Der Tracker wird uns seinen Standort ab und zu melden – hoffentlich immer am selben Ort. Früh morgens werden wir zum Flughafen chauffiert und fliegen über Johannesburg zurück nach Skukuza, wo wir wiederum abgeholt und in Bushbabys Nest gefahren werden. Wie schön, wieder Tiere zu sehen und Heimatgefühle zu erleben.
Nächster Besuch – nächste Reise
Wir bereiten Haus und uns zuerst auf einen Kurzbesuch von Antonia und Michi vor, dann auf den längeren Aufenthalt von Regula und Urs, mit denen wir selbstverständlich einige Krügerfahrten geplant haben, aber auch nach St. Lucia reisen. Lessy, der Hilux, läuft beim ersten Starten an und schon bald chauffiert uns Manfred sicher und gut durch Swasiland an die Küste nach St. Lucia und zurück. Das Wetter spielt nicht ganz mit, immer wieder gibt es viel Regen und die vielen Wolken machen es unmöglich, die Panoramastrasse zu besuchen, denn die Aussichtspunkte bieten nur Nebelsuppe. Nach einem dreitägigen Safariaufenthalt im privaten Balule-Reservat, das zum Greater Krüger Area gehört, wo keine Zäune die Tiere im riesigen Nationalpark zurückhalten, können wir dies bei guten Bedingungen nachholen. Am letzten Tag gelingt es sogar noch, Paul Krüger bei etwas Sonnenschein zu fotografieren. Den Leoparden finden wir allerdings – schon fast traditionsgemäss - erst kurz nach der Abreise der Gäste.
Zurück in die Schweiz
Erneut verbringen wir einen Monat `zu Hause’, treffen Familie, Freunde, Afrikabesuch, der uns wunderschöne Fotobücher zeigt, von Höhepunkten erzählt, oder sich interessiert, nächstes Jahr zu kommen. Eine lebhafte Zeit voller schöner Begegnungen und Gespräche, Bergluft, ‘Blust’fahrten durch die Frühlingslandschaft voller blühender Obstbäume und Sträucher, Vogelgesang, Hundesitting, aber leider auch mit viel Regen, Wolken und kühlen Temperaturen. Wenn Engel reisen scheint die Sonne – was wir wohl falsch gemacht haben? 😉























































































































Wieder ein wunderbarer Bericht. Beim Lesen das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass man dabei ist, kann nicht jeder. Danke für die tollen Zeilen und die super schönen Bilder. Habe mich auch riesig gefreut Euch in der Heimat in die Arme zu schliessen. Pass gut auf Euch auf und bis bald mal wieder. Eine herzliche Umarmung