In Richtung Norden: Simbabwes Süden, Osten und Zentralmaschonaland
- Maya von Dach

- 21. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit

Die Zugvögel sind da, die Regenzeit ebenso und wir machen uns mit Bushbaby wieder richtig auf den Weg. Unser Reiseleben wird – mit Unterbrüchen – wieder ein paar Monate weitergehen. Wir freuen uns, besondere Orte wieder und neue erstmals zu erforschen. Geleitet werden wir grossenteils sowohl von den Wetterauswirkungen, denn Bushbaby mag rutschige Strassen nicht, und von Vögeln, die wir noch suchen wollen, und Manfred natürlich fotografieren.
Über die Panoramastrasse nach Simbabwe
Ein erster kleiner Höhepunkt wartet schon ganz in der Nähe: die Stahlschwalbe, von der gesagt wird, sie brüte seit Jahren zum ersten Mal an der Panoramastrasse und die wir tatsächlich finden. Dann geht es über mehrere Pässe und einmal mehr nach Louis Trichard, wo wir traditionellerweise beim Inder Curry einkaufen. Auch den schönen, aber leider von Lastwagenlärm geplagten Campingplatz von Zvakanaka kennen wir schon, denn von dort ist die Grenze innert Kürze erreichbar. Wir füllen noch einmal die Tanks, dann geht’s, diesmal innert kurzer Zeit, nach Simbabwe. Zum Gonarezhou Nationalpark zu gelangen, braucht es dagegen ziemlich viel Geduld, denn die teilweise miserable Strasse wird erneuert und eine Brücke ist gesperrt - aber wir schaffen es und sind wieder dort, wo wir hin wollen: in der Natur und der Stille.
Gonarezhou, Ort der Elefanten
Schon das dritte Mal sind wir in diesem Park, in welchem ein Campingplatz schöner und ruhiger als der andere ist. Leider verhindert das bereits recht hochstehende Wasser und der erwartete Regen den Zugang in einen grossen Teil des Parkes. Dennoch ist es äusserst spannend, gerade auch diesen Wandel von Juli bis November zu beobachten. Neben grossartigen Vogelsichtungen finden wir auch ein sich paarendes Löwenpaar und Nashörner, neben vielen Antilopen natürlich. Selbstverständlich gehören auch Elefanten zum Programm, schliesslich geben sie dem Park den Namen. Die fünf Nächte hier bringen uns in Urlaubs- und Reisestimmung.
Die Eastern Highlands – Übernachten auf über 2000 Metern
Nichts führt an ihnen vorbei, den Bergen im Osten Simbabwes. Um dorthin zu gelangen durchfahren wir das Savé Valley, verlassen es aber wegen der Strassenverhältnisse, die nach prohezeitem Regen auf uns warten würden, schon nach einer Nacht wieder. Das Timing stimmt, am Morgen entdecken wir eines der grössten Wildhunderudel, die wir je gesehen haben. Während mehr als einer halben Stunde können wir sie beobachten, unter anderem, wie sie genussvoll in einer Pfütze baden. Nach der schwülen, gewittrigen Hitze im Tiefland geniessen wir die kühlen Temperaturen nachts und die angenehme Wärme tagsüber in der Höhe der Hügel und Berge sehr. Zuerst haben wir das Glück, am Rande der Stadt Mutare einen tollen Schlafplatz beim Golfplatz zu finden, von wo aus wir unsere Vogelexkursion mit Buluwesi in den Vumba Hills unternehmen und in Tony’s Café den besten und wohl teuersten Kuchen der Welt essen – er reicht für drei Tage und selbst Schweizer Schokolade kann nicht mithalten mit dem reichen Geschmack.
Im Nyanga Nationalpark gibt es wenige Wildtiere, dafür eine wunderschöne Landschaft. Diese erinnert uns an Uganda, denn alle, auch die steilsten Hänge sind mit Bananen und Mais bewirtschaftet und überall gibt es Hütten, Siedlungen und Menschen. Ausserdem erstrecken sich fast endlose Teeplantagen über die Hügel, von der ursprünglichen Bewaldung ist nur noch wenig übrig. Wir übernachten bei einem Stromwerk am Fluss, dann zuoberst auf den Bergen, wo ich erstmals nachts fröstle. Das Wetter ist regnerisch, aber der Blick auf die Wetterapp zeigt, dass sich das auf ganz Simbabwe weiterzieht: 85% Regenwahrscheinlichkeit, und zwar jeden Tag, damit müssen wir leben und können es auch ganz gut. Unser Zelt verhilft uns immer zu einem trockenen Platz auch ausserhalb von Bushbaby. An unserem letzten Tag im Gebiet von Nyanga besuchen wir Worlds View, einen Aussichtspunkt dem Esel auf dem Pilatus ähnlich, von dem man tatsächlich weit über Simbabwe sieht. Spannend dabei vor allem die Wolken und die sichtbaren sehr lokalen Regengüsse. Die Landschaft fasziniert, Granitblöcke, die aufeinandergeschichtet stehen, so dass man sich fragt, wie die Konstruktionen halten. Hier haben wir auch lustige kurze Begegnungen mit Einheimischen.
Harares Lake Chivero – das Vogelparadies
Harare, Simbabwes Hauptstadt, muss man fast gezwungenermassen durchqueren, aber das ist für uns auch interessant. Obwohl nicht sehr kulturinteressiert, gewinnen wir gern einen Eindruck. Das frühere Salisbury, Hauptstadt des damaligen Rhodesiens, war in meiner Jugendzeit immer wieder in den Nachrichten. In dieser Zeit wütete der Unabhängigkeitskrieg beziehungsweise die Revolution, bei der viele Weisse aus dem Land geprügelt wurden und alles, was sie für sich und das Land aufgebaut hatten, verloren. Wir sehen nach wie vor Zeitzeugen, Herrschaftshäuser die als Ruinen dastehen, Farmen, in denen nun offensichtlich niemand mehr die Ordnung hält. Andererseits gewinnen wir den Eindruck, dass sich Simbabwe in den letzten Jahren, seit wir das erste Mal hier waren tüchtig vorwärtsgekommen und moderner geworden ist. Noch immer sieht man die fleissigen Leute mit Hacken ihre Felder vor den Häusern bestellen, aber es gibt mehr Traktoren, mehr Licht überall und man kann vielerorts mit Karte bezahlen. Nach wie vor ist der US-Dollar die offizielle Währung, obwohl eigentlich die Chinesen omnipräsent sind.
Wir nisten uns im Bird Park Kuimba Shiri ein, wo wir mit dem Eigentümer, Gary, einen spannenden Berater und Gesprächspartner haben. Er scheint aus einem Tony Park- Buch zu stammen, Kriegs- und Söldnervergangenheit, Schmuggelgeschichten, Reichtum und Politik, vereint mit einem liebenswerten, ewiglachenden Gesicht. Am Seeufer, auf dem Campingplatz und in der Falknerei erleben wir einiges Interessantes, unter anderem finden wir eine Ente, die überhaupt nicht hierhin gehört, eine Art Sensation in der Vogelwelt.
Der Nase nach - aber wie?
Wir tun uns sehr schwer mit der Planung unserer Reise. Einerseits, weil wir nur ein 30-Tage Visum haben, andererseits weil Simbabwe gross, wunderschön und spannend ist. Aber in der Regenzeit ist einiges unerreichbar, überschwemmt oder einfach zu unsicher und gefährlich. Wir bleiben bei unserem Motto: Abenteuer ja, aber kein unnötiges Risiko. Unsere Lüste sind vielfältig: Mana Pools und Sambesital, die Route entlang des Karibasees, je wilder, desto besser. Schliesslich entscheiden wir uns für den westlichen Teil und buchen für die Weihnachtstage im Hwange Nationalpark. Dabei werden wir von einem Wildtierfilmer bestärkt, den wir zufällig treffen und der das Land kennt wie seine Westentasche.
Umfurudzi Nationalpark - Erlebnisse im Nirgendwo
Wir haben Lust, Neues zu entdecken und Stille zu geniessen. Im Umfurudzi Nationalpark, im Nordwesten des Landes, finden wir beides. Die Stichstrasse von Harare aus besteht mehr aus Schlaglöchern mit einem Rest von Asphalt, der Park hat kaum mehr Wildtiere, weil diese schon gewildert wurden und die Flüsse sind voll von Gift von den Minen der Chinesen im grossen und den einheimischen im kleinen Stil. Dennoch ist es für uns ein stilles Paradies. Der Regen trommelt auf unser Zelt, Bushbaby steht allein in einem parkähnlichen Campingplatz und rund um uns quaken die Frösche, von Leuchtkäfern beleuchtet. Die Angestellten geben alles, um das Camp aufzufrischen und unsere Toilette mit Dusche ist riesig und wunderschön. Nach vier Nächten am Fluss, vielen Spaziergängen mit und ohne Führer, einigen speziellen neuen Vögeln, trennen wir uns zögerlich und kehren zurück in die Zivilisation.
Harare und der Lake Chivero
Unsere erst Nacht verbringen wir in der Stadt, im zum Campingplatz mutierten Garten einer jungen Familie. Während es Nachmittags vom Verkehr lärmig ist, viele Leute vorbeigehen und ich es schon bereue, diesen Platz gewählt zu haben, ist es Nachts ruhig. Dennoch fahren wir schon früh am Morgen weiter. Es ist Wochenende und alle Menschen scheinen unterwegs zu sein, zu Fuss, in gefüllten Minibussen oder auf der Ladefläche vollgequetschter Pick-ups. Die Märkte sind lebendig wie sonst nie und überall finden Gottesdienste im Freien statt, die Gläubigen oft in weisse Gewänder gehüllt. Wir finden am Lake Chivero einen anderen Campingplatz, den wir ausprobieren wollen, Kamba. Ein Paradies für die Besitzer stationärer Wohnwagen, ist es auch für uns wunderbar, denn niemand ist hier – in den Weihnachtstagen wird wohl alles voller Leben sein, aber jetzt haben wir die Ruhe und Weite am See für uns – das Bushbaby besucht mich am Abend, die Fischadler rufen aus ihrem Nest, der Hamerkop sammelt Zweige für sein riesiges Nest. Wir geniessen es, doch danach verbringen wir noch einmal zwei Nächte im schon bekannten Kuimba Shiri, bei Gary und Josh, den Araberpferden die wild herumdonnern, den Schafen, Ziegen, Gänsen und all den Vögeln in den Gehegen, an den Teichen und am Seeufer.
Gewonnene Zeit
Schliesslich fahren wir noch einmal nach Harare. Früh morgens verlassen wir den Bird Park und parkieren Bushbaby vor dem Immigration Office, das noch nicht geöffnet ist, sondern wo die rundliche Beamtin die Fahnen zuerst hisst. Wir rechnen mit Stunden, bis wir unser Visum verlängert haben, doch einmal im Gebäude geht es schnell. Ins Besucherbuch eintragen, Formular ausfüllen, an den Schalter, Stempel und etwas Handschriftliches in den Pass und schon sind wir wieder draussen. Nun braucht Bushbaby noch sein Visum, das Carnet gilt hier nicht, es braucht eine temporäre Einfuhrbewilligung, das TIP. Zu unserer grossen Überraschung brauchen wir auch für dieses nicht mehr als zehn Minuten und damit haben wir die Gewissheit, die nächsten dreissig Tage in Simbabwe geniessen zu können. Wir sind gespannt, wohin uns der Wind weht und welche Abenteuer die Reise weiterhin für uns bereit hält.









































































































































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