Das warme Herz Afrikas
- Maya von Dach

- 2. Aug.
- 7 Min. Lesezeit

Manfreds Wunsch, nach Malawi zu fahren, wurde erfüllt und erst noch viel umfangreicher als erwartet, denn die Benzinpreise sind gesunken und die Erhältlichkeit des Kraftstoff ist kein Problem mehr – zumindest im Moment. So erkunden wir Berge, Seen und einen Fluss, Täler und eine wunderschöne Sumpflandschaft. Die Menschen hier sind tatsächlich herzlich, das Klima meistens perfekt. Ein Land der Überraschungen!

Vorgeplänkel
Der Einritt nach Malawi beginnt in Sambia, wo Dutzende von Geldhändler gestikulierend anbieten, Geld zu wechseln. Wir haben uns über einen guten Schwarzmarktkurs schlau gemacht, obwohl wir das System nicht wirklich verstehen und gesehen, dass wir etwas mehr als das Doppelte des offiziellen Kurses erhalten sollten. Das gelingt uns auch und wir werden schlagartig zu Millionären. Bündel von Geldnoten – 1000-er, 2000-er und 5000-er, die Höchste – müssen nachgezählt werden, unsere letzten Sambischen Kwatcha wechseln die Hände, nun sind wir erstmals bereit, nach Malawi einzureisen. Nach dem Marktplatz in Sambia scheint es für die Händler ein Verbot zu geben, unvermittelt wird es still.
Leises aber herzliches WIllkommen
Der Grenzübergang von Sambia nach Malawi bei Chipata verläuft in einem einzigen Gebäude ungestresst und ruhig. Die Leute sind hilfsbereit, kommunikativ und bald sind unsere Pässe und das Carnet de Passages de Douane ordnungsgemäss ausgefüllt und gestempelt. Wir fahren vor die Stadt Lilongwe, wo wir übernachten. Am folgenden Tag gibt’s vor der grossen Mall noch einmal Geld, diesmal wechseln wir Südafrikanische Rand und sind erneut zufrieden mit dem Handel, der uns erlaubt, in Malawischen Kwatcha zu zahlen, statt in den – vor allem im touristischen Umfeld – erwarteten Fremdwährungen. Damit zahlen wir, genau wie die Einheimische Bevölkerung, im Verhältnis zu Dollar, Franken oder Kartenzahlung ungefähr den halben Preis. So wird das als teuer bekannte Malawi erschwinglich. Trotzdem werden noch ein paar Millionen die Hand wechseln.
In Richtung Nordosten
Von der Hauptstadt Lilongwe geht es nordwärts und schon bald erleben wir eine erste Überraschung: Ob es mit dem baldigen Unabhängigkeitstag zusammenhängt, finden wir nicht heraus, aber auf einmal sehen wir am Strassenrand ein Monster. Es ist mehrbeinig, hat ein zotteliges Fell und schüttelt wild den Kopf. Die Beine sehen wie Menschenbeine aus und es geht zu den Einheimischen, die es respektvoll anschauen und lachen oder zu tanzen beginnen. Unsere Recherchen ergeben, dass es sich um einen ‘Gule-Makulu’ handelt, ein traditionelles Ritualtier des hier ansässigen Chewa-Volkes. Wir sehen noch andere Maskierte, die Kultur scheint zu leben, was uns genauso freut, wie unser Kwatcha das Fabelgeschöpf, dem wir sie in den Mund stopfen. Es ist ein grossartiges, berührendes Erlebnis, kein bisschen touristisch, sondern absolut echt. Die Dörfer und der Strassenrand leben, es gibt überall viel zu sehen und zu staunen, und wir sind glücklich, auch in Malawi ‘Fritters’ kaufen zu können, frittiertes Brot, unser Lieblingsfrühstück.
Mystischer Kasungu-Nationalpark
Der ruhige erste Park auf dem Weg zum Malawisee beherbergt keine grosse Tiervielfalt und von dieser sehen wir erst noch wenig. Der hübsche Bergsee im Grünen ist allerdings eine stille, herrliche Oase und birgt eine wunderbare Überraschung: die Kälte der Nacht – nicht weit über der Nullgradgrenze – lässt in der aufgehenden Sonne Nebelschwaden tanzen, was in diesem Licht ein echtes Spektakel bietet. Jedenfalls für Frühaufsteher. Für kurze Zeit steht Bushbaby in einem rosaroten Traumland in sanftem Pastell.
An den Malawisee und den Nkothakota NP
Es ist Winter, die Temperaturen sind tagsüber angenehm, abends auch unterhalb der Hügel -immer noch über 1000 MüM - kühl. Wir fahren nach Nkhotakota am Malawisee. Die Pottery Lodge liegt direkt am See - dem 9. Grössten der Welt -, der über die meisten Arten farbiger Buntbarsche verfügt. Meine Schnorchelausrüstung bleibt trotzdem einmal mehr in der grossen Box, denn das Wetter ist stürmisch, der See windgepeitscht, wie der Vierwaldstättersee bei Föhn, und es ist mir zu kalt, um mich ins Wasser zu begeben. Dennoch geniessen wir die Strandspaziergänge und das gute Essen in der Pottery. Die Moskitos - Malawi ist wegen des vielen Wassers ein extremes Malarialand – halten sich sehr in Grenzen.
Dafür können wir in den waldigen Nationalparks, die wir besuchen, kaum die Fenster öffnen, weil sonst Tsetsefliegen hereinstürmen. Sie beissen mit sehr schmerzlichen Folgen. Wir besuchen zuerst den Nktohakota Nationalpark, wo wir vor allem Hügel, steile Strassen, Flusspferde und Krokodile sehen. Danach geht es weiter nördlich, über sehr unterschiedliche Strassen, teils voller Schlaglöcher, andernorts aus riesigen (chinesischen) Baustellen und Umleitungen bestehend, belebt und spannend.
Am Wasser und in höchsten Höhen
Wir biegen wieder in Richtung Westen, zum Vwaza National Reserve, eigentlich einer Sumpflandschaft, von der wir aber nur eine Art See mitkriegen. Wie fast immer, sind wir (fast) allein auf dem Platz, nur ein Deutscher Safari-Guide, der in Malawi arbeitet, teilt ihn mit uns, so dass wir einen spannenden Gesprächspartner haben. Wir sehen – und hören nachts – überraschend viele Tiere und die Ausfahrt entlang dem Wasser ist interessant. Schliesslich nehmen wir die Strasse fast zur sambischen Grenze unter die Räder und steuern, auf äusserst abenteuerlichen, rumpligen und ausgewaschenen Naturstrassen, in Richtung Nyika Plateau. Was uns erwartet wissen wir nicht genau, aber die Überraschung ist durchaus positiv. Auf rund um 2300 m liegend, ist die abendliche und nächtliche Kälte keine wirkliche Überraschung, die Landschaft und Tierwelt umso mehr. Dichte Protea- und MIschwwälder beim niedriger gelegenen Eingang und offene Graslandschaften in der Höhe der Hügel beherbergen eine für uns neue Zebrarasse mit ganz schmalen Streifen, die sie besonders gut tarnen, Eland und Riedbock, viele Vögel und wunderschöne Bergseen. Die Ausfahrten sind ergiebig und spannend, schliesslich entdecken wir zu unserem Glück sogar direkt vor uns eine Servalkatze, die durch Stillstehen möglichst ungesehen bleiben will. Welche Aufregung herrscht, denn in all den Jahren im südlichen Afrika haben wir – ausser vor Kurzem durch das Nachsichtgerät - erst eine solche halbgrosse Raubkatze entdecken können und nur für Sekunden. Diesmal dürfen wir sie ausgiebig bestaunen, bevor sie sich im gelben, trockenen Gras verzieht. Die Streifenschakale, die wie Wölfe aussehen, sind eine wunderbare Zugabe und wir verlassen den Park mit grossartigen Erinnerungen, freuen uns aber wieder auf die Wärme des Tieflandes.
Afrika Rally
Nein, wir nehmen nicht an dieser Gruppenfahrt nach Kenia teil, sondern geniessen unsere eigene Fahrt, aber auch die Gesellschaft von Australiern und Engländern, die an der Rally teilnehmen. Allerdings ist die Makuzi Beach Lodge gefüllt und wir müssen für einmal in ein Häuschen ausweichen, um hier übernachten zu können. Doch am Morgen verlassen alle Camper den wunderschönen Platz direkt am See und wir können uns auf diesem Juwel mit den schönsten Sonnenaufgängen einrichten. Obwohl wir die Ruhe schätzen, geniessen wir das gemeinsame Nachtessen mit den Engländern und Australiern sehr, ein lustiger, unterhaltsamer Abend.
Dauerpräsenz der Polizei
Die Strassen bieten uns Dauertheater mit vielen Beteiligten. Neben Menschen mit unglaublichen Ladungen auf ihren Fahrzeugen oder dem Kopf auch Hühner, Ziegen, Kühe und Esel. Da Malawi aber arm ist, gibt es hier noch nicht viele Fahrzeuge und entsprechend keinen dichten Verkehr ausser in den grossen Städten Lilongwe und Blantyre. Immer wieder sehen wir Polizeikontrollen, uniformierte Beamtinnen und Beamte, Schranken oder Poller, doch nur die Einheimischen werden kontrolliert, wir regelmässig mit einem Lächeln vorbeigewinkt. Ausser einmal. Nein. Keine Busse, keine Papiere, nur ein Schwatz aus Neugier, dann sind wir durch. Malawi ist ein grossartiges, spannendes und entspanntes Reiseland.
In den Süden
Die Strasse dem See entlang ist miserabel und so legen wir eine Ecke ein und fahren auf der guten Strasse zurück nach Lilongwe, danach hinunter in den Liwonde Nationalpark. Wir unternehmen sowohl eine Fahrt auf dem Shire-Fluss, wie auch einen geführten und selbstgefahrenen Game-Drive, schön, aber nicht spektakulär. Das ist die Lodge dafür. Elefanten, die direkt am Fenster vorbei gehen, kämpfen, Bäume fällen und aus dem Park ausbrechen. Ein Spektakel, das uns nicht sehr gefällt. Sie werden von zahllosen Park-Rangern hin und her gejagt, bis sie verzweifelt und zornig sind. Kein Wunder gibt es immer wieder Tote! Von Liwonde fahren wir weiter nach Süden, doch den Majete NP besuchen wir nicht, weil dort nur Dollar genommen werden, was uns erzürnt. Nicht weil wir es nicht zahlen könnten, sondern weil das System so korrupt ist, wenn der Park der Nation die eigene Währung nicht annimmt. Deshlab landen wir an einer nahegelegenen Lodge am Shire, wo wir auch mit Kwatscha willkommen sind, obwohl die Eigentümer eine Österreicherin und ein Schotte sind. Wir bedanken uns mit eifrigem Konsumieren und dem Genuss von echtem Apfelstrudel – grossartig.
Vier Elemente
Wir erleben hier in Malawi viel Bezug zu Wasser. Luft, Erde und Feuer. Die Erde zeigt sich in den am Strassenrand zum Trocknen ausgelegten Produkten, Mais, Erdnüsse, Maniok, Kartoffeln, aber auch Berge roter Tomaten, Wassermelonen und viel anderes. Jede Familie hat ihren Garten und produziert für den Eigenbedarf und zum Verkauf. Allerorts sehen wir Feuer: von grossen Buschfeuern, von denen wir nicht wissen, ob sie absichtlich oder ungewollt brennen, über flammende Strassenborde, die angezündet werden, um Nager und andere Schmarotzer zu vertreiben, bis zu Kochfeuern, auf denen Essen gebraten und gekocht wird. Wir versuchen nichts von den Kochstellen am Strassenrand, auch nicht die gebratenen Mäuse, die uns auf Holzspiessen entgegengestreckt werden. Klar – gleichzeitig Kampf gegen die unerwünschten Nager einerseits und Nahrung andererseits in diesem von (für uns nicht sehr sichtbaren) Armut geplagten Bevölkerung. An den Flüssen und teilweise auch an letzten Wasserpützen in diesen, wird gewaschen, gebadet und Wasser geholt, dort ist es sehr betriebsam. Ein grosser Teil des Landes ist sehr muslimisch geprägt, wir sehen viele Moscheen, Frauen mit bedeckten Haaren oder verschleierten Gesichtern und Männern mit Fez, in einer Stadt schaffen wir es nicht, unseren Wein- und Biervorrat zu ergänzen.
Ein Höhepunkt im Spiegel
Ganz im Süden, kurz vor der Grenze zu Mosambik, liegt ein grosses Sumpfgebiet und ein kleines Schutzgebiet auf einer aktiven Grossfarm mit Zuckkerrohranbau. Hier finden wir nicht nur einen wunderschönen Zeltplatz bei einer Lodge mit herrlichem Essen, sondern dieser Sumpf oder besser das Feuchtgebiet ist so, wie wir uns das seit Sambia und dem Barotseland gewünscht haben. Mit einem hölzernen Schiff werden wir durch die Schilfinseln gestakt, wobei wir nicht nur eine wunderschöne Landschaft, sondern auch zahllose Vögel sehen – im Spiegel der glatten Oberfläche. Es ist friedlich und still, reiner Genuss, den wir im Sonnenuntergang wiederholen. Auch eine Wanderung durch den dichten Wald inmitten der Plantagen gefällt uns gut und Manfred arbeitet wieder einmal an Fotos. Sonst sind im Moment vor allem Wörter angesagt, Manfred arbeitet an einem KI-Projekt, das, sofern es klappt, einmal ein Krimi wird, ich selbst habe viel am Buch meiner Freundin Mira Mondo gearbeitet, mit der ich als Freiwillige gearbeitet habe, und freue mich, ihren Roman nun allen Afrikafreunden, Wildtierbegeisterten, Romantischen und Neugierigen ans Herz zu legen. Einfache, ergreifende und interessante Lektüre ohne Schiessereien, Tote und viel Blut (😉), aber doch mit einigen überraschenden Wendungen – aber Achtung, das AFRIKA-VIRUS ist berüchtigt und zieht AFRIKA-FIEBER nach sich, Band 2 der ELINA-Serie. Zu bestellen bei Amazon und bald als Kindle ebook und Druck – viel Vergnügen!




Wieder einmal ein wunderbarer Bericht. Danke vielmals auch für die tollen Bilder. Immer wieder unbeschreiblich. Herzliche Grüsse