• Maya von Dach

Ent-wickeln, entscheiden, umsetzen

Weil es mit der automatischen Benachrichtigung der Abonnenten bei der ersten Veröffentlichung am 26. Juli nicht geklappt hat, hier ein nächster, hoffentlich erfolgreicher Versuch...


Nicht nur die Testreise mit Bushbaby, rund acht Wochen durch Italien, Sardinien und Korsika, sondern auch die kleinen und grossen Schritte in Richtung Reiseleben bringen uns vorwärts. Noch gibt es viel zu überlegen, zu hinterfragen und zu entscheiden. Änderungen überraschen uns und Lösungen müssen gefunden werden. Es ist aufregend, macht Spass und bewegt. Viele kleine Abschiede begleiten das Loslassen. Oft sagen wir bereits: "das letzte Mal". Aber schauen wir noch einmal ein wenig zurück.



Die Testreise mit Bushbaby war natürlich wunderbar. Nach einigen anfänglichen frischen Frühlingstagen sowie Nächten im Daunenschlafsack, fanden wir den Sommer, der uns danach mit Sonnenschein und Wärme bis Hitze, treu blieb. Reisebericht und ausführliches Tagebuch findet man hier. Bushbaby hat sich weiterhin bewährt, offenbarte aber auch Schwächen: während der Innenausbau weiterhin überzeugt, hat die Technik ihre Tücken. Hier zeigt sich wohl, dass unseren Autobauern bei Extrem-Fahrzeuge das Spezialwissen fehlt. Die Solarpanels und die neue Lithiumbatterie funktionieren gut, so dass trotz vier Tage im Schatten-Experiment unser Kühlschrank immer läuft und die Computer geladen werden können. Dennoch erkennt Manfred, der sich intensiv damit beschäftigt hat, dass nicht alles so ist, wie es sein müsste. Unsere Aussenbeleuchtung funktioniert wie Roulette: eher zufällig brennt weisses, amberfarbenes oder gar kein Licht, ab und zu sehen wir sogar auf beiden Seiten unterschiedliche Farben, die Steuerung funktioniert nicht. Der vom Bett erreichbare Panikknopf löst leider die vier Scheinwerfer auch nicht mehr aus. Im Moment kein Problem, aber für die grosse Reise schon. Also noch einiges zu tun, wir planen einen weiteren Besuch bei unserem Fahrzeugbauer in Deutschland, um die ganze Technik überprüfen und verbessern zu lassen. Beim ersten Gebrauch hat es uns ausserdem den Schlauch vom Kompressor gelöst, glücklicherweise mussten wir nicht die Reifen pumpen sondern wollten nur "staubblasen" um zu reinigen.



Bushbaby hat auch die wildesten Offroadstrecken gut gemeistert. Dabei hat es aber seine makellose Schönheit eingebüsst: die Strasse in die sardischen Berge, die auf dem Navigationsgerät in einem sauberen, dicken Strich eine Runde zeigte, führte uns hinter alle Berghänge. Wir kletterten in Untersetzung eine Kiesstrasse hoch und höher, durch düsteren dichten, con Wildschweinen umgepflügten Wald. Immer enger und steiler wurde es, aus dem Fahrweg wurde eine Wanderstrecke, die Steinbrocken grösser und Bushbaby kämpfte sich schwankend und rüttelnd tapfer bergan. «Wumm». Was war das? Erst als wir das Fahrzeug abstellten, weil wir gar nicht mehr weiter konnten, sahen wir den Schaden: ein zersplittertes Seitenfenster und eine langgezogene Delle. Der Rest der Strasse zeigte sich als fast senkrecht absteigender Ziegenpfad also blieb nur die Wende. Erschöpft entschieden wir uns, hier zu übernachten und die Rückfahrt am Morgen erholt und mit frischen Kräften anzutreten. Wir waren komplett überrascht, hier oben bei einem Steintor und wunderschönem Ausblick innert wenigen Minuten einen Wanderer und einen Biker anzutreffen.


Der Abstieg zur Strasse war herausfordernder als angenommen. Irgendwie schafften wir es, uns so in den Bäumen zu verkeilen, dass wir keinen Zentimeter mehr vor- oder rückwärtsfahren konnten. Mit der Säge des Hosentaschenwerkzeugs musste Manfred einen dicken Ast abtrennen, während ich die Dachkisten löste und die Zurrseile als Sicherung einsetzte. So konnten wir das Hindernis sanft zu Boden bringen und die Alpabfahrt antreten. Wir entdeckten die Scherben unseres Fenster und konnten nachvollziehen, dass wir gegen einen hervorstehenden abgesägten Ast geprallt waren. Der erste Kratzer schmerzt immer ein wenig, selbst wenn man genau weiss, dass im Busch noch viele folgen werden. Da das Wetter während der Reise nur Sonne bereithielt, mussten wir das Seitenfenster erst in der Zentralschweiz zukleben.



Wieder daheim erreichte uns eine äusserst überraschende Nachricht, die uns sehr betroffen machte: Extrem Fahrzeuge ist insolvent und scheint nach einem runden Vierteljahrhundert am Ende zu sein. Es tut uns für Kunden, deren Fahrzeug sich noch im Bau befindet, wie auch für die Mitarbeitenden sehr, sehr leid. Uns stellt es vor eine kleine Aufgabe, jemanden zu finden, der sich unserer Technik annimmt. Hier stossen wir auf «die Fahrzeugbauer» in Neuheim und Matthias Wipfli, der Sohn eines Kollegen, erkennt schon bei der ersten Durchsicht was fehlt - unter anderem das Batteriemanagement-System. Hier scheint Bushbaby in besten Händen zu sein und wir sind sehr optimistisch, dass unser Häuschen auf Rädern bestmöglich ausgestattet wird.


Auf der langen, gemütlichen Reise stellen wir uns natürlich auch immer wieder die Frage, ob diese Art zu Leben uns auch auf Dauer gefallen wird. Will Manfred wirklich seine grossartige Arbeitsstelle, bei der er ja bereits jetzt mit dem 60%-Pensum und entsprechend langen Urlaubsblöcken am Rentnerleben schnuppern kann, aufgeben? Will er seinen ausgebildeten Polizeihund Dartos tatsächlich aus dem Dienst nehmen und in der Familie weitergeben? Können wir einfach alles aufgeben hier in der Schweiz? Wo werden wir unseren Wohnsitz haben? Wollen wir unsere wunderschöne, einmalige Wohnung wirklich verkaufen? Wer soll den Verkauf tätigen?



Wir setzten uns intensiv mit den Zukunftsfragen auseinander, entwerfen Szenarien und die meisten Fragen werden so klar mit Ja beantwortet, dass der Weg in die Zukunft klar sichtbar ist und unsere Pläne sich grösstenteils bestätigen. Den Worten folgen die Taten. Unsere Wohnung ist seit heute auf dem Markt – ja, auch wir sind über die Immobilienpreise im Kanton Zug einmal mehr erschrocken - und soll per Ende März verkauft werden.

Wir sind gespannt auf den weiteren Prozess. Dieser hat längst begonnen – es gilt, aufzuräumen, zu entsorgen und damit gehen auch viele kleine Abschiede einher. Erinnerungsstücke werden aussortiert, Dekoration weitergegeben. Loslassen. Es geht so schnell und so langsam. Wir wohnen noch mehr als ein halbes Jahr hier und es soll gemütlich bleiben. Es tut aber auch gut, Ballast abzuwerfen. Das Liebgewonnene und Erinnerungsträchtige liegt nicht weniger am Herzen, wenn es nicht mehr in Symbolen greifbar i




Noch gibt es viel zu tun. Manfred ist wieder bei der Arbeit und ich geniesse meine Frühpension, bin aber sehr beschäftigt mit dem jetzigen und dem zukünftigen Haushalt. Während auf der einen Seite ausgemistet wird, gibt es, insbesondere beim Insektenschutz, sowohl beim Fahrzeug wie auch beim Zelt, das uns sehr wichtig ist, viel zu verbessern. Ende August besteht bereits die nächste Gelegenheit für eine Testfahrt, doch schon wird es etwas schwieriger, weil unser Wohnungs- und Katzenhüter aus der Wohngemeinschaft auszieht. So werden wir wohl je nach Wetter und Umständen in der Umgebung bleiben.

Selbstverständlich verbringen wir viel Zeit mit Familie und Freunden, was wir sehr geniessen. Wir nutzen die Zeit äusserst bewusst, denn für uns ist klar, dass Vieles das letzte Mal in dieser Art sein wird. Diese Auseinandersetzung zeigt uns den Wert unserer Beziehungen und Herzensangelegenheiten auf. Doch das bewusste Loslassen bringt auch Nähe mit sich.




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