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  • AutorenbildMaya von Dach

Grosse Schritte in Richtung Freiheit



Liebe Leserin, lieber Leser

Immer wieder frage ich mich, warum und für wen ich diesen Blog schreibe. Dann kommt eine dieser Begegnungen, bei denen ich gefragt werde: »und wie ging es dann weiter? Ich lese deine Berichte immer und freue mich…« Danke für diese Motivation. Hier ist er also , der nächste, für einmal vielleicht etwas längere Bericht über eine turbulente aber gute Zeit, die uns unserem Ziel für den nächsten Lebensabschnitt deutlich näher gebracht hat. Viel Vergnügen beim Lesen… und DANKE!

Und übrigens: die Internetverbindung hier ist oft sooo schlecht, dass es einfach nicht für viele Bilder reicht. Sonst kommt der Blog erst, wenn wir wieder in der Schweiz sind...


Leere in der Wohnung

Mein Handy ist noch voller Fotos von Haushaltgenständen. Langsam, langsam wurden Schränke und Schubladen geleert, Koffer hingelegt, es wurde viel verschenkt und wenig verkauft, unsere wirklich alten Sachen, etwa das von Katzenkrallen gelöcherte und von Alter und Gebrauch verfleckt Sofa entsorgt. Stück um Stück leerte sich die Wohnung, Liebgewonnenes fand neue Besitzer, besondere Stücke durften in der Familie bleiben. Schliesslich folgte das Putzen.



Eine grosse Überraschung

Meine letzte Schulwoche. Es muss noch für die Schulfasnacht gebastelt werden und bald gibt es Noten, also sind alle Lehrpersonen gestresst und zusätzliche Hände gefragt. Am Donnerstag habe ich den ganzen Tag Unterricht in all meinen Klassen. Umso überraschter bin ich, als meine Freundin und Vermieterin Bea morgens um sechs (dann bin ich immer auf und am Übersetzen) anruft und ankündigt, dass ich um neun Uhr abgeholt würde. Als ich sage, das gehe unmöglich, weil ich zur Arbeit müsse, winkt sie ab – alles organisiert, ich sei beim Rektor abgemeldet. Dennoch bin ich in Hektik, schreibe meinen Lehrern und Lehrerinnen, dass ich nicht kommen könne, weil ich entführt werde. Dabei wissen dies längst alle ausser mir und haben es in ihrer Agenda eingetragen. Ich werde pünktlich abgeholt und darf im Kreis meiner liebsten Freundinnen, tollen Frauen, einen wunderbaren Brunch in Arth geniessen, begleitet von lustigen, spannenden und ablenkenden Gesprächen. Danke ihr lieben, danke vor allem dir, Regula, es war grossartig und unvergesslich!



Tschüss Traumattika

Manfred hatte bereits Ferien und konnte, da sein Rippenbruch glücklicherweise sehr gut heilte, den Hauptteil übernehmen und die Terrasse kärchern und Storen, Fenster und einiges mehr säubern. Unsere Schlafzimmermöbel wurden am Samstsg vor der Wohnungsübergabe abgeholt und wir stellten die übereinanderschiebbaren Gästebetten auf, in denen wir prima schliefen, zufrieden mit dem Fortschritt. Unser liebes Büsi hat den besten Platz gefunden, den es sich wünschen konnte, danke Kamil, es ist schön und richtig so. Schliesslich kam der grosse Tag, an dem wir uns nach vierzehneinhalb glücklichen Jahren von unserer Traumattika trennten. Danke, Andi, für die grosse Hilfe des Abtransport von so vielem, danke Marina, für so lange Jahre Putzunterstützung, danke, Alexandra und Nicolas für den Kauf unseres Daheims, wir wünschen euch ebenso viel Glück darin, wie wir es hatten. Und danke all unseren lieben Nachbarn für die gute Nachbarschaft, die sogar darin gipfelte, unser Salontischli zu entsorgen, das ein Beschenkter nicht abholte…



Fertig gearbeitet

Nein, die grosse Leere hat uns nicht übermannt. Am Abend nach der Übergabe haben wir für eine Nacht im Hotel La Perla in Perlen eingenistet. Das Zimmer war okay, das Essen hat uns grossartig geschmeckt und die Gesellschaft war wunderbar, danke Gert. Mein Arbeitsweg nach Neuheim war für einmal ein wenig länger, doch es war ein glücklicher letzter Halbtag in Neuheim. Noch einmal Geheimtipps an die 3. und 4. Klässler vermitteln, die Bewerbungen meines 3. Oberstüfelers kontrollieren, und allen ein süsses Byebye abgeben. Schön wars, danke Dominique, Pascal, Michi und Laura, sowie alle anderen. Und damit bin ich wohl das letzte Mal aus dem Pensionärsfrieden ins Arbeitsleben eingetaucht, und umgekehrt.



Nun dürfen wir zwei Jahre nach Südafrika

Schon länger haben wir uns darauf vorbereitet, einen Antrag für ein Pensionärs-Visum von Südafrika zu stellen und Papiere zu einem hübschen Dossier zusammengestellt. Meine Fragen und die Bitte, uns einen Termin zu geben, um den Antrag zu überreichen, wie dies sein muss, wurde nie beantwortet, dafür brauchte es Manfreds Geschäftsadresse. Dann ging es jeweils schnell. Der Termin wurde von der Botschaft entsprechend unseres Abflugdatums gesetzt: Eine Woche vor Abflug. Das schien uns knapp, doch vertrauensvoll liessen wir es dabei bewenden und waren zeitig in Bern beim Konsulat. Die Dunkelhäutige Lady kontrollierte unsere Papiere, vermisste die Kopie des Identitätsausweises zum Einladungsbrief von Tony Park, sagte aber gleichzeitig, dass das Hauptkriterium für die Erteilung des Visums die Finanzen seien. Für die Erfüllung dieses Kriteriums müsste, je nach Kurs, bereits meine Pensionskassenrente reichen. Ohne Pässe, denn darin sollte das Visum eingetragen werden, aber voller Optimismus, fuhren wir zurück. Und warteten, warteten, hofften auf Post – ein adressiertes und frankiertes Couvert hatten wir beilegen müssen. Der Dienstag, der Tag der Reise näherte sich schnell und schneller.

Am Sonntagabend hatten wir genug vom Warten und Manfred schickte eine Mai, in der er fragte, ob die Pässe noch dort seien und anbot, die Pässe zu holen. Tatsächlich erreichte uns am Montagvormittag ein Telefon und wir durften uns entscheiden, ob die Pässe zur Post gebracht werden sollten, oder ob Manfred sie holen wolle. Wir entschieden uns für die zweite, sicherere Variante. In der Eile und Aufregung vergass ich ganz, zu fragen, ob wir das Visum erhalten hätten. Immerhin, mit dem Flug würde es klappen! Doch wer nun meint, die Aufregung hätte ein Ende genommen, täuscht sich gewaltig. Manfred fuhr am Abreisetag nach Bern und durfte tatsächlich unsere Pässe in Empfang nehmen. Darin eingeklebt unsere temporäre Aufenthaltsgenehmigung. »Bitte kontrollieren Sie alles», sagte unsere Freundin am Schalter und oh Schreck, in beiden Pässen war das selbe Papier eingeklebt, das auf Manfred Suter lautende Pensionärsvisum. Nach einer Stunde Wartezeit dann die Erlösung, in beiden Pässen das richtige Dokument. Erst nach der Einreise nach Südafrika realisierten wir, dass wir nicht vier sondern zwei Jahre erhalten hatten, in denen wir so oft wir wollen einreisen dürfen. Immerhin besser als nur 90 Tge pro Kalenderjahr.



Bis bald, ihr Lieben!

Dann folgte das Abschiednehmen von den Liebsten. Das Dienstagsessen bei Grosi Suter in Sursee ist legendär und ein grosser Teil der Familie trifft sich zu Pommes und Wienerli, für einmal war nach einem schönen Spaziergang mit Momo, Grosi und Dartos auch Abschiednehmen angesagt. Unser kleines Auto bleibt in der Tiefgarage stehen, es beherbergt noch eine der Taschen mit Dingen, die auf dem nächsten Flug mit ins Bushbaby müssen, oder die wir in den zwei Wochen unserer Heimatferien im März benötigen. Danke, Grosi! Auch in Manfreds Büro steht noch immer viel Material, wir werden also noch einmal aussortieren müssen.

Schliesslich führte unsere Fahrt zu den Pilatusbahnen in Kriens, wo wir Simon trafen und zu Passagieren wurden. Die Zeit reichte noch für einen letzten Spaziergang mit Dartos auf der Ufschötti, dann winkten wir dem VW-Bus, Simon und Dartos ein vorerst letztes Mal und machten uns auf den Bahnhof. Schon bald sassen wir zuerst im Zug, dann im Flugzeug und schliefen tief und fest der Wärme entgegen. Danke Simon, viel Freude mit deinem Hund und seiner grossen, vierrädrigen Höhle.



Ab auf die Aufwärmrunde

Fast jeden Tag verfolgten wir Bushbabys Schiffsreise entlang Südafrikas Küsten auf unserer App und wussten, dass es lange vor dem Hafen von Kapstadt warten musste Das ist für Kapstadt offensichtlich gang und gäbe. Kurzfristig buchten wir auf der Farm von Duncan, bei African Overlanders, dem Verschiffungspartner unserer Spedition notfallmässig ein Häuschen und organisierten die Abholung vom Flughafen.


Die Schlange bei der Passkontrolle war lang und als wir schliesslich den Schalter erreichten, erlebten wir eine Schrecksekunde. Der Beamte fragte mich, wann ich zuletzt in Südafrika gewesen sei. Offensichtlich sah er rot, da das elektronische System mich immer noch mit dem Etikett »undesirable person», also unerwünscht, klassierte (2016 war ich zu lange im Land und wurde für fünf Jahre gesperrt. Eine andere spannende Geschichte, die hier keinen Platz findet). Nach einigem eher ärgerlichen Hin und Her wurde die Klebeetikette mit unserem Visum aber zum ersten Mal gestempelt. Der Herr am Schalter äusserte eine letzte Drohung, dass ich jedes Mal ein Problem haben würde, wenn ich einreise, aber damit kann ich leben… Willkommen in Südafrika.

Die Ankunft des Lastwagens mit den Containern wurde für den nächsten Tag prophezeit. Duncan erwartete aber vier Fahrzeuge in zwei Containern und hatte keine Ahnung, welche zuerst kommen würden. Natürlich war das Hallo gross, als der brummende Lastwagenmotor die Ankunft verkündete, die Enttäuschung dann leise, als es der falsche Container war. Duncan sagte eher skeptisch, er wisse nicht, ob es noch am selben Tag für den zweiten reiche, es gäbe am Hafen 3 km (‼) Containerstau, aber er habe noch einmal telefoniert. Gegen vier Uhr war es dann aber so weit und die Hirundella, das Fahrzeug unserer Mitverschiffer und unser Bushbaby konnten ihre ›Gefängniszelle, in der sie 70 Tage aushalten mussten, verlassen und in die Freiheit entschlüpfen. Ein spannendes Schauspiel für uns und ein Meilenstein in unseren Leben. Bis am folgenden Mittag packten wir aus und ein, so dass alles am richtigen Ort ist und wir nicht allzu sehr suchen müssen in unserem neuen Daheim, in dem viele Gegenstände des alten Zuhauses weiterleben. Irgendwie war es ein Déjavu, eine riesige Auslegeordnung mit dem ganzen Hausrat, der verlesen, sortiert und in den Boxen oder Schränken eingeräumt werden musste.


Doch immerhin, die erst Nacht in unserer luftigen Höhle im Dachzelt des Bushbabys war so erholsam und schön, nicht mit einem Luxushotel aufzuwiegen! Noch haben wir einiges Potenzial für Verbesserungen, aber in Kapstadt bestellten wir bereits eine Halterung für Gasflaschen, an welcher wir unseren bewährten Zweiflammenkocher anschliessen können. Diesen wollen wir in ein paar Tagen abholen und entsprechend planen wir unsere erste Runde so, dass wir wieder in Kapstadt vorbeikommen.

Glücklich, uns nicht mehr beeilen zu müssen, fahren wir ins Anysberg Naturreservat und sind endlich aus dem Verkehr und in der Ruhe und Wildnis. Die Entschleunigung kann beginnen. Die Region hier ist zahm und die Hauptattraktion bildet die urige Landschaft, doch für alles andere bleibt uns viel Zeit. Unsere Runde geht durch die Hügel von grosser und kleiner Karoo, in den Bontebok Nationalpark und danach zum Meer.



Heimurlaub vor Manfreds Frühpensionierung

Am 15. März werden wir das Flugzeug noch einmal in Richtung Heimat besteigen, damit Manfred seine letzten zwei Wochen arbeiten kann. Zuerst wartet ein Doppelhöhepunkt am ersten Tag: Manfreds Geburtstag und die Generalsversammlung des Hundeführervereins der Zuger Polizei, dem er seit seinem Beitritt vor fast 35 Jahren angehörte und sich lange nicht nur als Hundeführer, sondern auch als Vorstandsmitglied und technischer Leiter der Sondergruppe engagierte. Wir freuen uns auf die Zeit, in der wir Dartos noch einmal übernehmen dürfen.


Wir feiern das Leben – hoffentlich mit euch!

Schon heute möchten wir euch einladen, am 1. April mit uns auf unseren neuen Lebensabschnitt anzustossen. Im Red-x, dem ehemaligen Jugi in Rotkreuz sind die Türen und die Umgebung offen für ein Treffen mit euch, etwas zu essen und zu trinken, lachen und gute Laune. Wir freuen uns, ab 16.00 Uhr bis es dunkel wird Familie, Freunde, Gspänli, (ehemalige) Arbeitskolleginnen und Kollegen, Leserinnen und Leser unseres Blogs und weitere Überraschungsgäste zu sehen und auf unsere 20 Jahre, keine Hochzeit aber Ringe, den Wohnungsverkauf und unseren neune Lebensabschnitt anzustossen. Komm doch auch, Kommen und Gehen ist angesagt!


Einladung
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Und übrigens:

  • Ich schreibe fast täglich Tagebuch. Für uns, für die Zeit im Altersheim oder so 😉. Es gibt jedoch Leute, die gern mitreisen, sich die Karte oder Föteli anschauen, und diesen sei der Link verraten, unter dem man tagesaktuell sehen kann, wo wir stecken und was wir so tun: (App Polarsteps)

  • Manfred hat sich selbst als Projekt eine Challenge gesetzt: 365 seiner wunderschönen Fotos von 365 afrikanischen Vögeln in 365 Tagen auf seiner Facebookseite Manfred Suter Photography und freut sich über Follower.


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