• Maya von Dach

Schnuppern an der Zukunft


Der Winter war geprägt von Arbeit, Vorfreude, coronagerechtem Daheimbleiben und die Natur geniessen, – eine ruhige aber auch abwechslungsreiche Zeit mit viel schönem Familienkontakt. Manfred arbeitete 100%, ich hatte Spass an meiner Stellvertretungszeit in Rotkreuz, daneben übersetzte ich zwei Bücher, die in Afrika spielen (ELOMBE ist bereits auf Amazon käuflich, «Black Mamba for Breakfast» braucht noch viel Überarbeitung und Zeit) und meiner Sehnsucht Nahrung gaben und absolvierte mit mehr oder weniger Erfolg Kurse in Wildtiermanagement und Kartieren. Daneben lief auch bei KON-SENS einiges.

Bushbaby durfte noch einmal an seine Geburtsstätte, wo es noch elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und einige zusätzliche Endarbeiten erhielt. Mit einer kleinen Gruppe interessierter Kolleginnen und Kollegen feierten wir eine kleine Einweihung, was grossen Spass machte.




Planen und Vorentscheiden

An der langen Schiebewand zwischen Manfreds Büro und dem Julia-Zimmer (= Gästezimmer) hängt unsere Planung für die Zeit bis März 23, darauf die wichtigsten Daten und Phasen. Manfreds Arbeitseinsätze und einiges mehr. Immer wieder stehen wir davor. Unsere Köpfe rauchen, voll von Gedanken, Ideen, Träumen und Vorhaben. Wann müssen wir was unternehmen, damit alles für den März 23 passt? Was genau machen wir mit dem Wohnungsverkauf? Eine wichtige Vorentscheidung fällt: nicht wie ursprünglich vorgesehen werden wir die Wohnung nicht selber verkaufen sondern eine Maklerfirma damit beauftragen und uns damit zeitlich und nervlich entlasten. Das bringt sofort eine gewisse Entspannung mit sich und fühlt sich gut an.


Von Arbeit zu Freiheit

Ende März zieht der jüngste Sohn, Simon, dessen langjährige Beziehung leider auseinanderbrach, was eine Wohnungsauflösung mit sich bringt, bei uns ein. Zum ersten Mal in unseren Leben wohnen wir in einer Wohngemeinschaft ;-), was es uns ermöglicht, einen Urlaub ohne Hund zu planen. Daneben startet Manfred seine erste Schnupperphase als Pensionär: rund 100 Tage Ferien, da er ja nur 60%, aber in 100% Etappen, arbeitet. Ich selbst habe am 16. April meinen letzten Arbeitstag in Rotkreuz und gehe glücklich und zufrieden wieder in den Status der Frühpension (nur über die Pensionskasse).


Das Weite suchen

Drei Monate hat Manfred frei. Eigentlich hätten wir mit Bushbaby in Richtung Griechenland losfahren wollen. Dies ist mit all den sich fast täglich ändernden Einreisebestimmungen ein schwieriges Unterfangen. So verschieben wir das auf später, in der Hoffnung, in fünf Wochen sehe die Lage besser aus. Ausserdem brauchen wir Wärme und Sonne. Nur wenige Länder können ohne Quarantäne hier oder dort besucht werden: Mexiko, Costa Rica, Namibia. Lange Zeit ist es klar, dass wir nach Costa Rica, das grüne Paradies, fliehen. Das betrachten eines Fotobuchs verändert alles. Afrika schwingt einmal mehr obenaus und Anfangs April wird, ziemlich spontan, ein Flug nach Windhoek gebucht und ein Fahrzeug mit Dachzelt. Unterkünfte bzw. Campingplätze buchen wir keine, denn auch in Namibia ist der Tourismus im Moment zusammengebrochen.


Weite finden

Am ersten Tag meines Pensioniertenlebens fliegen wir. Nach dem Nachtflug erreichen wir am frühen Morgen Windhoek, übernehmen das Fahrzeug, kaufen ein und nehmen die Strasse in Richtung Norden unter die Räder. Am Abend setzt sich das Gefühl, nach Hause und in Afrika an zu kommen, in uns fest. Ein einsamer, riesiger Campingplatz in den Hügeln von Outjo (Oppi Klippe) heisst uns willkommen, wir klettern durch die Felsenhügel, hören Kauz und Schleiereule rufen, kochen auf dem Feuer und geniessen es, ins Dachzelt zu steigen.




Kreuz und Quer durch monumentale Natur

Wir entdecken die Landschaft und Tierwelt des Etosha Nationslparks, fahren durch den Caprivi-Streifen fast bis nach Botswana (die Grenzen sind geschlossen), sind ein kleines bisschen enttäuscht von der dichtbevölkerten Region des nördlichen Caprivis, von dem wir Ähnlichkeit mit Linyanti und Chobe erwartet hatten, das uns aber sehr trocken erschien. Unsere Herzen klopften, als wir auf der Strasse nahe dem Mudumu NP inmitten einer riesigen Herde Elefanten, die uns zutrompeteten standen, wir genossen das Bush Camp Kwando mit seinen riesigen Plätzen am Fluss und dem nahegelegenen Bereich des Bwabwata Nationalparks fuhren danach der angolanischen Grenze entlang bis weit nach Westen, wobei wir eine Nacht wild campierten. Von den Flüssen führte unser Weg durch unendliche Hügel und Berge, die sich aus endlosen, flachen Ebenen erhoben, entlang und durch schroffe Täler, über Sand-, Schotter- und Brockenwüsten, roten, gelben und grauen Sand, sanft abgeschliffene und spitze Gesteine, durch Buschlandschaften, Savannen und an Stauseen vorbei. Die Landschaft veränderte sich fast alle Viertelstunde, das Staunen hörte nicht auf. Büsche, Sträucher, Palmen, Kakteen und Sukkulenten mit fleischigen Blättern, Köcherbäume mit sternförmigen Blattständen und gelben Blüten, grünes, silbernes, goldenes Gras und unendliche, scheinbar kahle Gegenden. In Swakopmund, Walvisbay und Lüderitz genossen wir die Sicht aufs Meer, dazwischen besuchten wir die wichtigen Touristenorte, aber auch abgelegene, kleine Orte. Auf unserer Fahrt bis nach Mata Mata im Osten und südlich entlang des Orangerivers haben wir rund 8000 km zurückgelegt. Über dreissig stimmungsvolle Sonnenuntergänge erlebt, andächtig zum Kreuz des Südens und den Millionen anderer Sterne hochgeschaut, jede Nacht - auch in den kühlen und kalten - das Dachzelt genossen und unsere Liebe für Afrika erneuert. Noch nie haben wir so viele Landschaftsaufnahmen geschossen. Das ausführliche Tagebuch mit Bildern, das wir jeweils für uns selbst schreiben, aber auch anderen Interessierten offenlegen, findet man hier.)


Tier und Vogelwelt

Bäche, Flüsse, Seen, Meer und zahlreiche unterschiedliche Ökosysteme und Parks versprachen reiche Tierwelt und viele neue Vögel, die Manfred von der Liste seiner Fotoobjekte streichen könnte. Unsere Augen waren immer auf der Suche. Etosha war wunderschön, es gab, wie auch in einigen anderen Teilen des Landes, nach gutem Regen viel Wasser und hohes Gras. Ansonsten entdecken wir auf der Fahrt ab und zu stolze Oryxantilopen, Springböcke, Strausse oder Erdhörnchen, manchmal ein Grüppchen Mangusten. Wir waren – wie schon in Kenia – überrascht, dass wir nur wenige Raubvögel sahen. Ob dies an der Jahreszeit liegt, wissen wir nicht, doch es scheint so viel Futter, so viele Nistgelegenheiten, so viel Natur zu geben, in denen sich Adler, Bussard und Geier wohlfühlen sollten. Wo sind sie?




Wunderschön und doch kein absoluter Favorit

Über das Ganze gesehen war uns Namibia, dessen Landschaft die Geschichte von Millionen Jahren erzählt und gleichzeitig von Wasser und Wind täglich neu geschaffen wird, eine spektakuläre, immer wieder überraschende und grossartige Wunderwelt, die uns zum Staunen brachte und andächtig werden liess. Wir wissen, so still, ohne Touristenrummel, werden wir Namibia nie mehr erleben. Wir liebten die Ruhe und die Einsamkeit, die Grösse und die Weite dieses Landes. Doch schien es uns wie eine heissblütige aber emotionsloseSchönheit. Sie hat uns bewegt und wir nehmen viele wunderbare Erinnerungen mit – mit Südafrika, vor allem Kwa Zulu Natal, Botswana, Zimbabwe oder Zambia kann Namibia für uns nicht konkurrieren, einfach, weil der Gesang der Vögel zu wenig vielstimmig, die Tiere zu spärlich, die Natur sehr wild und doch gezähmt und eingezäunt erscheint.



Vorfreude auf Bushbaby steigt

Wohl täglich haben wir an Bushbaby gedacht und die Vorfreude auf später spriessen lassen. Als Souvenirs haben wir einige nützliche Ausrüstungsgegenstände eingekauft, hübsche Lämpchen, Grillmaterial, die wir in unseren Schnupperferien als äusserst nützlich kennen lernten und schätzten.


Weiter in naher Ferne

Nach Pfingsten geht es in die nächste Schnupperphase: unsere Hoffnung nach einfacheren Reisebedingungen in Europa haben sich bewahrheitet, viele Länder sind wieder einfacher zu erreichen. Noch hat Manfred sieben Wochen auf seinem Ferienkonto, bevor er Mitte Juli wieder antreten muss.

Wohin unsere Reise führen wird, werden wir spontan entscheiden, wenn wir an der ersten Strassenkreuzung stehen. Der Weg bleibt das Ziel.

Was wir mit Bestimmtheit wissen: nicht wie in Namibia wollen wir hier in Europa langsam und in eher kurzen Etappen unterwegs sein und uns auch Zeit nehmen, an einem Ort zu bleiben. Den Mangel an Bewegung, den wir in Namibia an Leib und Seele spürten, werden wir einerseits mit Velofahrten wettmachen, vor allem aber wird unser treuer Begleiter Dartos diesmal wieder mit von der Partie sein, damit sind lange Spaziergänge oder Wanderungen programmiert.


PS: Dieser Blog ist, weil wir keine wirklich guten Internet-Bedingungen haben, schlecht bebildert. Bitte entschuldigt. Natürlich existieren Tausende von Bildern, die allenfalls später hinzugefügt werden - und viele davon sind im Tagebuch enthalten

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