• Maya von Dach

Testfahrt in Richtung Lebenstraum



Endlich brummt Bushbabys 6 V/4l Motor auf der ersten Tour und Manfred lenkt das Fahrzeug auf Autobahnen, steinigen Strässchen und holprigen Wegen über Hügel und Berge, durch Bachbetten, ans Meer, ans Ufer von Seen und an die Hänge des Ätna. Wir sind gespannt darauf, wie sich Bushbaby im "richtigen Leben" bewähren wird. Zu dritt, inklusive Hund Dartos, nehmen wir unser Zigeunerleben auf.



Unter "richtigem Leben" stellen wir uns vor, wirklich autark leben zu können. Unterwegs zu sein, wie es uns gefällt, langsam und gemütlich, aber auch für mehrere Tage stehen zu können, ohne Strom aus dem Kasten zu beziehen. Unser "inneres Beispiel" ist und war, drei oder vier Wochen in der Central Kalahari zu verbringen - sorglos und sicher. Dafür ist Bushbaby ausgelegt und gebaut. Ob es wohl im Kleinen, in Europa und für kürzere Dauern funktioniert? Sieben Wochen wollen wir es vorerst testen.



Wir fahren in Richtung Italien, geplant ist nichts, wir nehmen es vorweg, ganz nach Lust und Laune. Die erste Probe erwartet uns in Ariolo, sind doch nachts Temperaturen von 2 Grad angesagt. Ob wir wohl im Dachzelt frieren werden? Nein, wir schlafen sowohl in dieser, wie auch in allen folgenden Nächten, hervorragend. Wir lieben das Übernachten in unserer breiten und bequemen himmelsnahen Suite, die uns Sterne durch die Dachluke und Weitblick durch die grossen Zeltfenster bietet. Dank vieler Fenster haben wir die Möglichkeit, die Temperatur gut zu regulieren - und im Notfall kann elektronisch geheizt oder gekühlt werden. Wir fühlen uns besser als im Fünfsternehotel!



Auf dieser Reise war es immer möglich, im Zelt zu schlafen - auch wenn wir einmal aus Furcht vor umstürzenden Bäumen vor einem Gewitter flohen. Doch was tun, wenn es etwa so stark stürmt, dass wir das Zelt nicht stellen können? Dafür haben wir unsere "Notschlafstelle": die Sitzbank hat dank einem Fussausschnitt die notwendige Länge zum Schlafen und der Boden wird mit Schlafmatten ausgelegt. Zu dritt dürfte es allerdings eher eng sein und die Bequemlichkeit lässt sich nicht mit dem Dachzelt vergleichen. Dennoch, ist es beruhigend, zu wissen, dass man auch diese Möglichkeit hat.



Wir wechseln zwischen Wildcampen, Übernachten auf dem Bauernhof und Campingplätzen mit und ohne Elektrizität, so dass wir alles ausprobieren können. Den Vorzug geben wir dabei aber dem freien Stehen in der Natur, die wir in Norditalien, Kalabrien und auf Sizilien als wunderschön, abwechslungsreich, überraschend und in einzelnen Momenten, wie bei den Ausbrüchen des Ätna, als atemberaubend, erleben. Zudem finden wir in der Vorsaison tatsächlich sehr ruhige, fast menschenleere Plätze.



Der Kühlschrank, aus zwei einzelnen Zellen bestehend, die unabhängig von einander steuerbar sind (z.B. für Kühlen/Gefrieren), funktioniert prima, doch der Batteriewächter lässt ihn nachts, wenn er keine Sonnenenergie von den beiden Solarpanels auf dem Dach erhält, immer wieder stoppen. Das ist kein Problem, der Inhalt bleibt kalt und am Morgen sinkt die Temperatur mit etwas Sonnenschein oder dem Starten des Motors schnell. Stehen wir im Schatten, hilft uns das externe Panel sehr schnell zu genügend Batterieladung und auch das Anhängen am externen Strom funktioniert absolut problemlos.


Der Boiler erhitzt 6 l Wasser aus dem 100-Liter-Tank, wir schalten ihn insbesondere während der Fahrt ein. Das Duschen unter dem Dach des Eingangs (mit dem Tarp als Duschvorhang) oder auch einfach, wie Adam und Eva, draussen im Freien, fühlt sich grossartig an und der Abwasch ist einfach angenehmer und hygienischer mit warmem Wasser.



Das Kochen auf den Sandblechen und unseren beiden Gaskochern macht Spass. Aussenklappe runter, Kartusche anschliessen und der Doppelkocher steht bereit. Für die grosse Bratpfanne oder den Grillhut kommt der einflammige Kocher zum Einsatz. Wir bereiten unsere Mahlzeiten zum grossen Teil selber zu. Das Ersetzen von Kartuschen ist kein Problem, im Internet finden wir die nächstgelegenen Verkaufsstellen.




Im Süden Italiens - die Fahrt bietet, wie auch alle anderen Berg-, Tal- und Wasserpassagen keinerlei Schwierigkeiten - ist es sehr sonnig und heiss. Dennoch, unser "Tarp", die klein zusammengefaltete, in eine der beidseitig angebrachten Schienen schiebbare Sonnenstore aus wasserfestem Stoff, benutzen wir kaum. Entweder finden wir unter Bäumen Schatten oder der Wind ist zu stark für den Einsatz eines Sonnenschutzes.



Begeistert sind wir von den Blidimax/Blickdicht Fensterisolationen. Innert Kürze lassen sie sich dank Saugnäpfen an den Fenstern der Fahrkabine befestigen und lassen die Temperatur im Innern richtig kühl bleiben.


Bushbaby bestätigt seine Qualitäten als Raumwunder. Auf den holprigen Fahrten klappert es kaum, die Fertigung der Kabine überzeugt und begeistert uns. Alles findet Platz, je dichter bepackt desto besser, weil sich dann nichts bewegen kann. System ist alles, Struktur, Organisation und Vorausdenken erhält grosse Bedeutung, wenn man nicht tausend Mal laufen will. Unser Fitnesstraining liefert uns - neben den Spaziergängen mit dem Hund und (fast) täglichen Übungen - tatsächlich das Alltagsleben. Bettbrett hinunter ziehen und hinauf stemmen, Treppen hoch und nieder steigen, ins Bett klettern.. Neben dem feinen Essen und der Bewegung ist natürlich die Entsorgung wichtig, dafür ist unser "Thron" das Richtige...




Die Wettergötter waren uns wohl gesinnt, so dass wir fast immer im Freien kochen und essen konnten. Doch an kühlen Abenden haben wir auch den Innenraum intensiv genutzt und uns auch dabei äusserst wohl gefühlt. Natürlich ist der Platz beschränkt, doch es ist gemütlich und reicht für unsere Absicht, wenn immer möglich in sonnigen, warmen Gegenden zu reisen, vollkommen.



Bushbabys "Grösse" und Beweglichkeit schätzen wir sehr. Wir haben uns nie vorgestellt, die herausforderndsten 4x4-Strecken zu suchen, aber solche bewältigen zu können, wenn es notwendig ist. Genauso konnten wir es auch umsetzen, ab und zu waren unsere Strassen raue Feldwege, über die Bushbaby sich locker bewegte. Der Einschlag ist natürlich nicht mit der Servo-Lenkung moderner Fahrzeuge vergleichbar, doch mit genügend Raum und Geduld war das kein Problem.




Der Veloständer am Heck, den Extrem Fahrzeuge konstruiert hat, ist sehr einfach zu bedienen und hat sich bewährt - auch wenn beides, Hund und Fahrräder, zu viel des Vergnügens für uns sind und wir eher selten auf die Zweiräder stiegen. In der langfristigen Zukunft wird hier eher eine Kiste ihren Platz finden.



Bezüglich Internet lernten wir etwas Neues kennen: Dank einer e-SIM von Airalo konnten wir uns relativ preisgünstig (ca. 15 Euro für 10GB/30Tage) umfassend informieren, orientieren und über WhatsApp kommunizieren. Fast täglich suchten wir auf den Apps park4night oder eOverlander unsere Nachtplätzchen oder zumindest Inspirationen dafür und liessen uns von maps.me führen.


Bushbaby trinkt natürlich gern und viel - Manfreds Berechnung hat, je nach Geschwindigkeit und Strassen, ca. 16 bis 20 l ergeben. Bei den europäischen Benzinpreisen hat sich für uns die Fähre von Livorno nach Palermo und zurück als eine sehr gute Option erwiesen.


Unser Fazit aus der siebenwöchigen Probereise: Wir wollen mehr davon! Bushbaby hat sich sehr bewährt, ganz kleine Optimierungen sind noch möglich, doch grundsätzlich ist es genau das, was wir uns wünschen. Unsere Fahrzeug- bzw. Kabinenbauer, Extrem Fahrzeuge Schwenningen, haben hervorragende Arbeit geleistet und unsere Wünsche wirklich perfekt umgesetzt! Das Reisen auf diese Weise macht Spass, nicht nur für wenige Tage oder Wochen, sondern bestimmt auch für Monate und Jahre. Wir freuen uns sehr darauf, weiter mit Bushbaby auf den Weg zu gehen. Wohin auch immer... Im September gehts wieder los!

Der Reisebericht von Italien/Sizilien mit vielen Fotos ist im Entstehen, braucht aber noch etwas Zeit - du findest ihn bald verlinkt und im Ordner Reiseberichte.






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