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  • AutorenbildMaya von Dach

Zululand-Zickzack


Zululand-Zickzack

Wir kehren den wunderschönen, wenn auch kalten Bergen den Rücken und kehren in unsere Herzensheimat Zululand, den nordöstlichsten Teil Südafrikas, zurück. Zwei Termine prägen unsere Zeit am Meer und im Busch: Hochzeitsfotografie und eine Hochseevogel-Exkursion. Dazwischen tingeln wir gemütlich durch erinnerungsträchtige Gegenden und erkunden unbekannte Orte.


Der Küste entlang in den Norden

uMlalazi finden wir einfach grossartig, weil es alles, was wir mögen, bietet. Pure Natur, es gibt auf dem vielfältigen, meist fast leeren Campingplatz immer Wildtiere zu sehen, das Meer ist nahe und es gibt Spazierwege durch den Dünenwald, zum Fluss, zu den Mangroven und sogar ins nahe Städtchen Mtunzini könnte man zu Fuss gehen. Dort gibt’s alles, was man sich wünschen kann, inklusive feines Essen und einen guten Autoputzer, was sich perfekt vereinen lässt.

Über St. Lucia fahren wir zum False Bay Park, wo wir auf der windgeschützten Halbinsel direkt am riesigen See stehen. Die Mädchenparty neben uns mit lautstarker Musik und Tanz zu beobachten, macht Spass. Leider ist das Geburtstagskind schon ziemlich müde vom Trinken und wir sind froh, dass das fröhliche Grüppchen vor sechs Uhr abends den Park verlässt. Wir erkunden die Halbinsel Nibela, wo wir in grossartiger Landschaft und flachen Pfannen Flamingo Kolonien und Pelikane finden und fahren eine der schwierigsten, engsten Strassen hinunter zum See. Einheimische Fischer staunen, als Bushbaby auftaucht, doch uns ist nicht ganz so wohl und wir kehren winkend und lachend um. Der Weg führt uns nach Sodwana Bay, einem der beliebtesten Tauchparadiese der Welt. Wir nächtigen allerdings - nun in der Wärme im "Cabrio-Style", alle Fenster weit geöffnet - weit oben im Dünenwald und erst am Morgen machen wir einen kurzen Besuch am endlosen Sandstrand.



Die wilden Parks von Tembe und Ndumo

Im Tembe Elephant Park, im obersten Norden Südafrikas, an der Grenze zu Mosambik, haben wir vor rund 13 Jahren unsere ersten Freiwilligenwochen mit WildlifeACT verbracht, die prägend für uns waren. Dabei haben wir Leonard - den Elefantenmonitor - getroffen. Wir verbrachten nicht nur auf Fahrten im Park Stunden zusammen, sondern ausserdem beim Fotografieren von Spinnen, Echsen und anderem Krabbeltier im Garten. Etwas später hat Leonard hier eine Freiwillige aus Holland kennen gelernt und die beiden wurden ein Paar. »Yvonne in de Bush», die Holländerin, die mit Leonard und ihrem mittlerweile fast fünfjährigen Sohn Owen das sehr eingeschränkte, aber auch beeindruckende Leben hinter Zäunen in einem Nationalpark lebt, ist eine Facebook-Berühmtheit. Als wir lasen, dass die beiden heiraten, haben wir spontan angeboten, ihre Hochzeit zu fotografieren. Forscher hier verdienen nämlich praktisch nichts und Yvonne als Ausländerin darf nicht arbeiten – ausserdem haben wir immer wieder Spass an der Hochzeitsfotografie. Seit langem steht dieser Termin also in unserer Agenda. Davor geniessen wir aber einfach eine Ausfahrt in den Tembepark, der allerdings so dicht ist, dass das Erspähen von Wild schwierig ist. Immerhin hat es ein geniales Hide, von dem aus man den grössten Elefanten Afrikas mit ihren riesigen Stosszähnen beim Baden zusehen kann.



Einige Tage verbringen wir in der Ruhe des Nachbarkparks, Ndumo. Hier sehen wir kaum Säugetiere, sind aber vor allem wegen der Vogelwelt hier. An den Pfannen, zu denen man nur mit dem Safariahrzeug kommt, sehen wir nicht nur eine wunderschöne, von Fieberbaumwäldern geprägte Wasserlandschaft, sondern Pelikane, Flamingos und vielerlei andere Gefiederte.




Manfreds Macbook – welches seit Saint Lucia Probleme machte – gab nun, ausgerechnet vor der Hochzeit, endgültig den Geist auf. Als Notnagel musste nun das zum Glück mitgenommene, alte, 8-jährige Macbook reichen. Bei mir sind mittlerweile drei weitere Tony Park Romane geprüft und für gut befunden worden, so dass sie zurück an Tony gehen, damit er sie druckfertig machen kann. Ich habe bereits mit seinem neuesten Werk ›Vendetta‹, auf Deutsch ›Blutrache‹ begonnen und mit der Übung geht es immer besser und schneller.


Eine Barfuss-Buschhochzeit

Wenn man aus Europa emigriert ist und im Busch lebt, ist eine Hochzeit noch ein viel wichtigeres Ereignis als in der Zivilisation. Seit elf Monaten, Leonards offiziellem Antrag, ist Yvonnes Blog nicht nur von Wildtieren, sondern von Hochzeitsvorbereitungen und -aufregung geprägt. Jedes kleinste Detail haben sie und ihre Freundin Adele (die sie aufgrund ihres Blogs in einem Laden in der Kleinstadt Manguzi angesprochen hat) vorbereitet, Die Kingfisher Lodge in Kosi Bay liegt für ein paar Tage grösstenteils in der Hand des Hochzeitspaars und seiner zumeist holländischen Gäste, die hier untergebracht sind. Es ist eine kleine, aber illustre Gesellschaft, die Zeremonie beginnt um elf Uhr vormittags und bereits vor sieben Uhr abends wird es wieder ruhig. Es ist eine Hochzeit für drei, Söhnchen Owen steht mindestens genauso im Zentrum wie seine Eltern. Leonard trägt seine Schuhe den ganzen Tag, Owen seine voller Stolz zumindest am Anfang und Yvonne ist barfuss, denn sie trägt nie Schuhe im Busch und will das auch am grossen Tag und mit weissem Kleid nicht ändern. Für uns, den Fotografen und seine knipsende Assistentin, ist es ein fröhlicher Tag und wir sind froh, dauert er nicht bis in die Morgenstunden, sondern können wir uns früh wieder in Bushbaby und unseren Ruhekokon zurückziehen.



Die Bearbeitung der Fotos geschieht im Tembepark. Im Garten des frischgebackenen Ehepaars haben wir Musse und alles, was wir brauchen, zusätzlich sind wir von Big 5 umgeben, die Elefanten fällen nachts vor dem nicht elektrifizierten Zaun Bäume und die Löwen brüllen einander an. Trotz hoher Erwartungen sind Leonard und Yvonne (selber Fotografen mit klaren Ideen) sehr zufrieden mit den über fünfhundert bearbeiteten Fotos ihres Tages. Wir schliessen dieses Abenteuer mit einem feinen gemeinsamen Braai ab und auf der Abschlussfahrt durch den Park begegnen wir noch einmal in minimaler Distanz den beeindruckenden grauen Riesen.



An Mosambiks Grenze

Kosi Mouth, ein System von vier Seen hinter dem typischen bewaldeten Dünenkamm hat mich seit einer Ewigkeit angezogen, aber geschafft haben wir es noch nie hierhin. Die Fahrt lohnt sich, denn bei Ebbe ziehen hier Flüsschen, die schliesslich ins Meer münden, durch ein riesiges Sanddelta. Auch die Bootsfahrt mit einem Führer ist wunderschön und sehr informativ. Insbesondere die Fischfallen der Tonga, die im Gegensatz zu den Zulu, deren Augenmerk auf Vieh liegt, traditionellerweise vom Fischfang leben, sind höchst faszinierend. Die Bauwerke aus Schilfstengeln, die die Fische auf der Gezeitenwanderung in die Fallen manövrieren, gestalten die Landschaft und machen ein Kunstwerk aus ihr.



Abschied an den Lieblingsorten

Wir planen unsere Rück- und Weiterreise, was bedeutet, KwaZulu Natal zu verlassen. Die letzten Tage verbringen wir noch einmal in Bonamanzi. Weil wir verpasst haben, dass ein langes Wochenende und alles ausgebucht ist, müssen wir die erste Nacht auf dem Nachbarcamp verbringen, danach stehen wir dafür ganz allein mitten im Wald und hören nur Vogelgezwitscher und nachts die Hyäne und Bushbabys. Ein Häuschen mit Sanitäranlagen und kleiner Küche sowie das Restaurant machen unser Camping zum Glamping.



Eine neue Jahreszeit

Mittlerweile ist wirklich richtig Frühling, die Temperaturen sind angenehm, man kann morgens schon früh und abends bis später draussen sitzen und die Vögel singen und nesten. Wieder einmal ergibt sich eine lustige Begegnung, diesmal mit einer Dame, die online-Magazine schreibt, einen TV und einen Radiokanal hat und unbedingt ein Interview mit dem Fotografen, der Afrika so toll einfängt und der Übersetzerin eines berühmten Autors, den sie nicht kennt, will. Natürlich lassen wir uns darauf ein und es ist eine lustige. In uMlalazi geniessen wir noch einmal die gute Infrastruktur und Natur, putzen in der Anwesenheit von Duckern und Affen Bushbaby innen, nutzen die Waschmaschine für die grosse Schlusswäsche - wirklich sauber wird es nicht, aber zumindest etwas frischer. Beim Nachtessen beobachten wir Bushbabys und Fledermäuse, die die roten Früchte unserer Bäume geniessen.



Durban

Unser Aufenthalt in Durban hat sich aus administrativen Gründen (die Buchung hat nicht geklappt) um einen Monat verschoben, denn wir wollten auf eine Hochseetour und zu den Vögeln, die man nur weit im Meer draussen findet. Der Campingplatz in der Stadt, aber in einem recht ruhigen und grünen Gelände hat positiv überrascht, die Bootstour mit der Ausfahrt in die aufgehende Sonne war interessant. Neun neue Vogelarten hat Manfred entdeckt, seine Fotoliste mit einigen davon ergänzt und ich genoss vor allem noch einmal Wale und Delfine – wer weiss, wann wir wieder Gelegenheit haben, solche zu beobachten.



Die letzten Tage

Noch einmal gibt Südafrika alles. 25 Grad Temperaturunterschied am selben Tag, von feuchter Hitze in Durban zum heutigen Nieselregen am Wagendrift Stausee, den wir gestern noch bei herrlichem Wetter mit dem leuchtenden Mond und seiner Spiegelung genossen haben.



Ein Blick zurück

Ein halbes Jahr sind wir nun ununterbrochen auf der Reise. Wir sind uns darüber einige, dass uns die Zeit sehr kurz vorgekommen ist. Wenn man die Karte betrachtet, ist es ein kleiner Teil des riesigen Südafrikas, die wir erkundet haben. Dafür sind wir wirklich in der Entschleunigung angekommen, fahren meist nur kurze Etappen und bleiben länger an einem Ort. Wir haben so viel Tolles erlebt an der Küste und im Busch und grossartige Begegnungen mit wunderbaren Menschen genossen.



Der eintägige Ausflug nach Lesotho während des Geierprojekts mit Wildlife hat uns beeindruckt und Lust auf mehr gemacht. Manfred hat die 500er-Grenze bei den fotografierten Vögeln geknackt, darunter waren einige tolle Sichtungen wie etwa die langherbeigesehnte mit dem African Finfoot, von mir sind mittlerweile sechs Afrika-Bücher käuflich und Nummer sieben, das neueste und für mich spannendste von Tony Park, "Blutrache", braucht vor allem noch Kosmetik. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meine Korrekturlesenden, ihr seid grossartig und unendlich wichtig!


Und einer nach vorn

Ein Monat in der Heimat wartet auf uns, viel Vorfreude auf die Begegnung mit all unseren Liebsten, Freunden und Bekannten! Gast in einer Radiosendung war ich noch nie, Vorträge haben wir schon gehalten, aber das ist jedes Mal eine zwar aufwändige, aber auch so wunderschöne Geschichte. Danke, Rotkreuz, dass wir kommen dürfen.

Danach ist Zeit für Wildes und Neues: Nach der Rückflug hierhin wagen wir uns in neue Länder und unbekannte Gegenden, dorthin, wo Campingplätze nicht eingezäunt sind und Löwen vor dem Bushbaby liegen können. Und unsere Lust nach Abenteuern ist noch längst nicht gesättigt.


Tagebuch auf Polarsteps: (App) MyBushbaby

Manfreds Foto/Website www.manfredsuter.com



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